Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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Erste Erfolge mit UK (Unterstützter Kommunikation)

In den vergangenen beiden Monaten waren es einerseits der fünfte Geburtstag des kleinen Prinzen plus Premiere für eine Geburtstagsparty mit Kindergartenfreunden und ein relativ spontan beschlossener Aufenthalt in Ecuador, die mich zu einer nicht ganz freiwilligen Pause auf dem Blog genötigt haben. Aber naja, ein Tag hat eben nur 24 Stunden, und ein bisschen Schlaf muss sein. Bevor nun der Trubel mit dem dritten Geburtstag der kleinen Fee weitergeht, setze ich mich lieber gleich hin und haue in die Tasten.

Im Herbst hatten wir damit gestartet, verstärkt die UK in unseren Alltag einzubauen. Einen Wochenplan sowie ein Ich-Buch in GoTalkNow hatten wir schon seit längerem im Einsatz. Nachdem ich auf eine tolle Empfehlung hin „Einander verstehen lernen“ von Castañeda und Hallbauer gelesen hatte, wurde mir früh klar, welche Chance die visuelle Stütze bei der Kommunikation für den kleinen Prinzen darstellt. Dass es dennoch beinahe ein Jahr dauern sollte, bis mir der „Knopf“ richtig aufgeht, hatte ich selbst nicht erwartet.

Das Ich-Buch hatte ich relativ rasch nach dem Erhalt des iPads inklusive Kommunikationsapps (GoTalk Now, MetaCom) für den kleinen Prinzen angelegt. Es freute mich sehr, wie häufig er es von sich aus öffnete und sich die einzelnen Informationen anhörte. Schon wenige Zeit darauf merkte ich, dass er plötzlich Inhalte aus dem Ich-Buch in realen Kommunikationen anwenden konnte. Zum Beispiel zu antworten, wie er heißt oder wie alt er ist, wie seine Oma heißt, wie sein Papa mit Vornamen heißt. Jetzt, ein Jahr später, habe ich das Ich-Buch zum ersten Mal aktualisiert – und der kleine Prinz verwendet es wieder regelmäßig. Er sieht es sich zwar nur alleine an und zeigt es nicht einer zweiten Person, aber es bringt ihn ja trotzdem in seiner Kommunikation weiter.

Auch bei den Informationen auf dem Wochenplan stellten wir rasch fest, wie gut er die Bilder mit den Aktivitäten verknüpfen und sich merken kann, was noch geplant ist für den aktuellen Tag. Übrigens: nicht nur der kleine Prinz. Auch die kleine neurotypische Fee profitiert sehr von der Verwendung der visuellen Hilfen.

Nun haben wir im Herbst damit begonnen, den Plauderplan, der auf der Website der Metacom-Symbole angeboten wird, für die Kommunikation einzusetzen. Auch der Kindergarten hat sich bereit erklärt mitzumachen. Die Idee wurde mir von zwei Fachleuten in UK empfohlen, die sich an einem Vormittag extra für den kleinen Prinzen Zeit genommen hatten. Sie arbeiten an einer Wiener Sonderschule, den Termin haben wir dank dem Einsatz eines Bekannten bekommen. Nun modeln wir schon seit knapp zwei Monaten mit diesem Plauderplan – und siehe da! Der kleine Prinz hat ihn ebenfalls schon dafür verwendet, etwas zu erzählen! Die kleine Fee findet den Plauderplan genauso sehr spannend und bittet mich immer wieder mal, ihr damit was zu erzählen.

Zu Hause bin ich nach längerem „Mit-mir-selbst-hadern“ nun auch endlich soweit, MetaTalk begleitend zu verwenden, wenn ich mit den Kindern spreche. Die visuelle Schiene scheint dem kleinen Prinzen sehr gute Dinge beim Verständnis von Sprache zu leisten – und er soll jede Hilfe haben, die es gibt. Natürlich ist auch hier nicht der kleine Prinz der einzige, der davon profitiert. Der kleinen Fee macht das irrsinnigen Spaß! Sie spricht zwar ohnehin schon wahnsinnig gut für ihr Alter, aber ihr Vokabular erweitert sich dank der Symbole jetzt noch schneller.

Im nächsten Monat steht erneut ein Termin mit UK auf dem Termin – diesmal bei LifeTool in Linz. Ich bin sehr gespannt, was ich davon berichten kann!


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Unterstützte Kommunikation: Jetzt geht’s los.

Schon bald wird der kleine Prinz fünf Jahre alt, und – unter Berücksichtigung seiner autistischen Spezialausstattung – entwickelt er sich fabelhaft weiter. Natürlich dauert es bei der Fülle an Reizen und Informationen, die er im Vergleich zu neurotypischen Gleichaltrigen aufnimmt, für sein Gehirn einfach länger, die Dinge anzunehmen und umzusetzen. Das finde ich absolut verständlich. Es ist nicht tragisch, dass er in vielem noch mehr Unterstützung braucht als andere Kinder in seinem Alter. Damit die Schere zwischen ihm und seiner Peergroup aber nicht unnötig weit auseinandergeht, möchte ich ihm aber wirklich jedes Werkzeug an die Hand geben, das ihm das Leben erleichtert. Sehr lange lese und informiere ich mich schon über Unterstützte Kommunikation (UK) für Menschen mit autistischer Wahrnehmung. Mit nächstem Monat starten wir ganz aktiv damit durch – die Rahmenbedingungen sind geschaffen, und auch der Kindergarten ist an der Mitarbeit interessiert.

Stichwort: Visualisierung. Im Kern geht es darum, dem kleinen Prinzen zusätzlich zur normalen Verbalsprache möglichst viele visuelle Stützen zu bieten, damit er in erster Linie mit seinem Umfeld kommunizieren kann und er langfristig seine sprachlichen Fertigkeiten erweitert und festigt. Für diese Zwecke gibt es eine ganz wunderbare Symbolsammlung – Metacom. Wir verfügen über diese Symbole einerseits über die iPad-App MetaTalk sowie die CD-Sammlung Metacom zur Verwendung auf individuell ausgedruckten Kärtchen und dergleichen, und auch in einem ganz neu im Autismusverlag erschienenen Ringbuch „Zeig es, sag es“. Diese Symbole verwende ich nun auch zusammen mit eigenen Fotos für unseren Wochenplan, mit dem wir bereits seit ca. 2 Jahren arbeiten. Früher stellte ich darauf nur einen Tag dar, mittlerweile eine ganze Woche, um auch über Vergangenes und Zukünftiges sprechen zu können. Streng genommen ist dieser Wochenplan – den uns bei Diagnosestellung unsere tolle Ergotherapeutin bereits empfohlen hatte – sogar schon der allererste Schritt in Richtung UK gewesen. Für Sprachanbahnung mit Metacom-Symbolen gibt es auch ganz tolles Material auf metacom-symbole.de, mit dem ich nun loslegen werde. Der Fokus wird in unserem Setting vorerst auf Deutsch liegen, einige der guten Ideen möchte ich jedoch auch auf Spanisch anbieten.

Ebenfalls auf dem iPad installiert haben wir GoTalkNow. Seit knapp einem Jahr verfügen wir über diese technische Möglichkeit, und ich habe dem kleinen Prinzen bereits ein Ich-Buch angelegt, das er sehr gut angenommen hat. Auf der Online-Galerie in GoTalkNow habe ich auf Empfehlung bereits sehr tolle andere Möglichkeiten zum spielerischen Erlernen von Kommunikation entdeckt – so zum Beispiel ein lustiges Interaktionsspiel zum Thema Halloween oder ein interaktives Spielchen zum „Kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“. Nach spanischen Varianten muss ich entweder suchen, oder selbst welche basteln.

Jetzt heißt es vor allem so viel wie möglich „Modeln“ – also dem kleinen Prinzen Kommunikation mit Einsatz der visuellen Hilfestellungen möglichst natürlich vorleben. Oberstes Gebot sind wie immer: kleine Schritte und viel Geduld.

 


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Sprache und Visualisierung

Im Zuge des Spracherwerbs arbeiten bei allen Menschen – egal ob mit neurotypischer oder autistischer Wahrnehmung – verschiedene Sinne zusammen. Ganz intuitiv zeigt man einem kleinen Kind natürlich Gegenstände, damit es diese benennen lernt, man zeigt ihm Bewegungen, Handlungen, Empfindungen, damit sich das Kind selbst davon ein Konzept machen und den Begriff ganzheitlich in den eigenen Wortschatz integrieren kann. Nun stecken in der zwischenmenschlichen Kommunikation jedoch nicht nur „greifbare“ visuelle oder problemlos erklärbare Inhalte, sondern alles – und zwar wirklich alles – hat auch eine soziale Komponente, die mehr oder weniger stark mitschwingt. Das macht das Werkzeug Sprache für Menschen im Autismus-Spektrum zu einer unheimlichen Herausforderung, denn die zwischenmenschlichen Codes erschließen sich ihnen nicht so einfach wie anderen. Sie müssen sie sich hart erarbeiten. Wenn der Faktor der Intuition wegfällt, dann ist das Leben wirklich sehr kompliziert! Einem neurotypischen Menschen fällt es in der Regel schwer sich das vorzustellen, weil es auf den ersten Blick schlicht unmöglich scheint, dass es Menschen gibt, denen dieses Feature nicht mitgegeben wurde. Beobachtet man jedoch das Verhalten –  wie beispielsweise des kleinen Prinzen – über einen längeren Zeitraum hinweg, dann wird es ganz deutlich, wie sehr diese Einschränkung den Alltag behindert. Vor allem im direkten Vergleich mit der neurotypischen kleinen Fee ist das ganz klar zu erkennen. Das Zusammensein mit anderen und die Bemühungen herauszufinden, was denn wann und wie getan und gesagt oder nicht getan und nicht gesagt werden soll oder darf oder muss erfordert sehr viel Kopfarbeit, da bleibt vieles andere vorerst einmal auf der Strecke. Mit visueller Unterstützung kann man dem betroffenen Menschen aber gut helfen. Deshalb ist UK (Unterstützte Kommunikation) für Menschen aus dem Autismus-Spektrum eine ganz tolle Chance! Das, und ein geduldiges, wohlwollendes Umfeld.

Der kleine Prinz spricht ja prinzipiell, aber auf kommunikative Weise nur in sehr auserwählten und gut einstudierten Situationen – aber dafür in beiden Sprachen. Einfacher fällt es ihm da schon, Dinge zu benennen, das tat er schon immer sehr gern, und er dolmetscht auch die einzelnen Begriffe von der einen in die andere Sprache. Doch auch in der expressiven, kommunikativen Sprache erarbeitet er sich stets mehr Terrain. So wies er unlängst den fauchenden Kater seines Taufpaten in die Schranken, indem er ihm ein bestimmtes „Nicht pfraur“ widmete, und bat die kleine Schwester mit einem perfekten „Bitte, [Name-der-Schwester], sekkier mich nicht!“ ihn nicht an der Pyjamahose festzuhalten. Um ihm alle Chancen zu bieten, die zur Verfügung stehen, habe ich nun das Thema UK für uns gewonnen und zusätzlich zu unserem bebilderten Wochenplan erst einmal auf dem iPad ein Ich-Buch erstellt. Morgen steht der zweite Termin mit unserer Logopädin an, sie war gleich sehr begeistert von GoTalkNow. Als ich gestern die ersten Seiten des Ich-Buchs mit dem kleinen Prinzen durchgegangen bin, staunte ich nicht schlecht! Er drückte die Buttons ein Mal, und beim nächsten Mal sprach er den Text schon nach. Sein Erinnerungsvermögen ist wirklich sehr bewundernswert, vor allem in Kombination mit visueller Stütze oder auch in Kombination mit Musik, aber dazu mehr in einem eigenen Eintrag.