Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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Wissensdurst

Der kleine Prinz ist nun schon über 16 Monate jung. Eigentlich waren wir darauf vorbereitet, dass er aufgrund seiner Zweisprachigkeit wahrscheinlich erst später zu sprechen beginnen wird. Unser Sonnenschein ist da aber offenbar eine Ausnahme, denn er plappert schon viel mehr als gleichaltrige einsprachige Kinder aus unserem Bekanntenkreis. Manche meinen, dass das bestimmt damit zu tun hat, dass wir so extrem viel mit ihm lesen – ich persönlich denke, dass jedes Kind seinen eigenen Rhythmus hat und sich die unterschiedlichen Fertigkeiten nach seinem eigenen Kalender aneignet. Einen Nachteil stellt es allerdings bestimmt nicht dar, viel zu lesen – aber nicht jedes Kind wird daran ebenso viel Freude finden wie der kleine Prinz.

Seit seinem dritten Lebensmonat lesen wir ihm regelmäßig Gutenachtgeschichten vor – Spanisch und Deutsch wechseln sich täglich ab. Aber auch untertags ist Lesen eine der Lieblingsbeschäftigungen des kleinen Prinzen. Zahlreiche der Bücher haben wir bestimmt schon tausend Mal gelesen. Jene Bücher, bei denen ich mich beim Vorlesen immer schön an den Text gehalten habe, bereiten der kleinen Leseratte derzeit die allergrößte Freude, denn er kann die Texte in der Tat schon auswendig! Immer wieder lasse ich ihn gewisse Wörter im Text einsetzen, und er freut sich irrsinnig, wenn er „an der Reihe“ ist und das gefragte Wort weiß. Ich habe auch festgestellt, dass er mich bei Wörtern, die er neu lernen möchte, immer wieder um Wiederholung der betreffenden Seite bittet („numoi“ = „noch einmal“ auf Mostviertlerisch) und mir beim Vorlesen mit beachtlicher Aufmerksamkeit auf die Lippen schaut. Danach versucht er selbst, das gewünschte Wort auszusprechen, und er wird immer besser! Bei vielen Wörtern kann er sogar schon die Bedeutung im Kontext verstehen, so z. B. wenn er „Augen“, „Krokodil“, oder „spazieren“ einsetzt. Seit gestern versucht er sich immer wieder in der Aussprache von „buschigen Schwanz“ in der Geschichte der Füchse. Es macht großen Spaß, Bücher mit dem kleinen Prinzen zu lesen! Auch beim Einsetzen der Wörter liegen die kleinen Bücher über die unterschiedlichen (Tier-)Familien ganz vorn im Rennen, dicht gefolgt von jenen Büchern, deren Texte sich reimen.

Im Spanischen funktioniert das noch nicht so gut, da wir über keine Bücher verfügen, die so kurze Texte haben, dass sie der kleine Prinz bereits auswendig lernen hätte können. Papa liest meist längere Geschichten vor, und nie dieselbe, oder er schaut Bilderbücher an, in denen die unterschiedlichen Gegenstände bezeichnet werden. Er bedient sich auch der deutschsprachigen Bücher und improvisiert beim Text. Da hier aber der Wiederholungsfaktor wegfällt, kann der kleine Prinz sich diese Texte natürlich nicht merken. Dafür verbringt er aber den Großteil des Tages mit Papa auf Spanisch und kann daher schon sehr viel „Alltagsvokabular“. Er sagt „siéntate“ (setze dich) und setzt sich nieder. Er sagt „kasses“ (¿Qué haces? = Was machst du?), wenn er sich darüber beschwert, dass Papa ihn sekkiert. Er sagt „armó“ (se desarmó; = es ist auseinandergegangen), wenn die Tiere, die er aus Duplosteinen zusammengebaut hat, auseinanderfallen oder er selbst die Tiere zerlegt. Und er sagt „pasó“ (¿Qué pasó“ = Was soll das? Was ist passiert?). Ich versuche, ihm auch die deutschsprachigen Äquivalente dazu anzubieten, aber diese verwendet er noch nicht aktiv.

Als zweite Lieblingsbeschäftigung lernt der kleine Prinz derzeit die Farben. Und er ist wirklich schon beeindruckend gut darin! Schwarz (sarz), Rot (rot), Blau (dlau), Grün (gün) und Gelb (geb) erkennt er bereits, auch auf Spanisch. Die anderen Farben spricht er sehr gerne nach. Auch unsere Familien lieben es, mit ihm Farbenraten zu spielen – ob via Skype (Ecuador) oder persönlich (Österreich). Beim letzten Spontaneinkauf habe ich ein Sortiment Farbstifte gekauft, mit denen der kleine Prinz zwar noch nicht wirklich malen mag (ganz selten findet er Interesse daran, einen Stift in die Hand zu nehmen, und er bittet mich jedes Mal, dass ich seine Hand mit meiner umschließe und mit ihm gemeinsam male), aber er zieht liebend gerne die Stifte aus dem Metallzylinder, gibt sie mir in die Hand, ich sage „Danke“, und dann nenne ich ihm die Farbe, die er dann wiederholt. Besonders lustig findet er momentan „Gold“ und „Creme“.

Heute habe ich den ersten Praxisbericht aus „Consigue que tu hijo sea bilingüe“ gelesen. In der Einleitung schreibt Zurer Pearson einen Satz, der mir gut gefallen hat, weil ich gerade in letzter Zeit oft in meinem Bekanntenkreis gehört habe, dass mein Mann unserem Sohn „Spanisch lernt“: Zweisprachig erziehende Eltern unterrichten ihre Kinder nicht in einer zweiten Sprache, sondern sie bieten ihnen „Lebenslektionen“ in mehreren Sprachen an. Gerade wenn man sich selbst in der Situation der zweisprachigen Erziehung befindet, sollte man sich das auch zu Herzen nehmen.

Im ersten Praxisbericht wird eine Familie vorgestellt, die ebenfalls die OPOL-Strategie verfolgt. Sie leben in einer französischsprachigen Umgebung (Schweiz), der Vater ist Muttersprachler, die Mutter hat Italienisch als Muttersprache. Der erste Sohn hat vor seinem zweiten Geburtstag nur sehr wenig gesprochen, jedoch bereits viel verstanden. Die Kinder haben die beiden Sprachen anfangs häufig vermischt, was auch mit der Ähnlichkeit zwischen Französisch und Italienisch zusammenhängen könnte. Untereinander sprechen die Kinder nur Französisch, und der ältere Sohn hat die Mutter auch bereits gefragt, warum sie mit anderen Französisch spricht, aber mit ihm nur Italienisch. Als sie ihm erklärt hat, dass sie gerne möchte, dass er auch ihre Muttersprache beherrscht, hat er das sofort akzeptiert und kein weiteres Mal in Frage gestellt. Ein großer Pluspunkt in der Situation dieser Familie ist die Tatsache, dass es in der Schweiz viele zweisprachige Familien gibt. Außerdem leben gerade auch viele Italiener/innen in der Region, wodurch die zweite Sprache zusätzlich aufgewertet wird.

Wenn ich die oben dargestellte Situation mit unserer vergleiche, dann besteht der große Unterschied bei uns darin, dass unsere Familiensprache nicht die Umgebungssprache ist, sondern die schwächere Sprache. Ich kann es noch nicht bestätigen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das für den kleinen Prinzen langfristig von Vorteil sein wird. Natürlich hätte ich sehr gerne noch andere spanischsprachige Kontakte in der Nähe. Das ist aus heutiger Sicht unser größtes Defizit. Vielleicht lässt sich ja noch der eine oder andere Lateinamerikaner oder Spanier im Mostviertel blicken, wer weiß …


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Doppelt gemoppelt

Der kleine Prinz erstaunt uns mit seinen 15 Monaten sowohl motorisch als auch sprachlich jeden Tag aufs Neue. Er läuft schon sehr flink und stabil herum, auch beim Spazieren geht er schon ziemlich viel alleine, er baut schon selber kleine Türme aus Bausteinen, kann Duplosteine auseinander- und wieder zusammenbauen …

Dank der Semesterferien muss ich derzeit nicht nach Graz oder Wien an die Unis fahren, sondern arbeite ausschließlich im Home Office. Sohnemann genießt es in vollen Zügen, Mama häufiger in seiner Nähe zu spüren. Immer wieder klopft der kleine Mann an die Bürotür und überredet mich dazu, ihm aus einem Buch vorzulesen oder ihn einfach kurz hochzunehmen und mit ihm zu kuscheln.

Sagte er vor ein paar Wochen noch lediglich ‚buf‘ (Buch), so kann unser Sonnenschein heute bereits schon ‚ehse‘ (lesen) artikulieren. Wir stellen immer häufiger fest, dass er für zahlreiche Begriffe die Wörter in beiden Sprachen ausspricht – vorausgesetzt er kennt sie in beiden Sprachen. In seinem Bett sitzt zum Beispiel ein Teddy: Er sagt „oso“ – „Bär“; also das spanische und danach gleich das deutsche Wort. Genauso verhält es sich auch bei ‚datn‘ (Danke) – ‚assias‘ (gracias); ‚nejo‘ (conejo) – „Hase“; ‚fiss‘ (Fisch) – „pez“; „Na“ (Mostviertlerisch: Nein) – „No“, und vielen weiteren Wörtern. Der Hauptwortschatz unseres Sohnes besteht momentan aus Dingen des täglichen Lebens, Familie, Tieren und Natur, und wächst täglich weiter. Wir sind überzeugt davon, dass unser regelmäßiges Vorlesen in beiden Sprachen sehr maßgeblich dazu beiträgt, dass der kleine Prinz schon so toll sprechen kann. Daher möchte ich in diesem Blogeintrag zwei der Bücherreihen vorstellen, die unserem Sohn die meiste Freude bereiten.

Die erste Bücherreihe wurde uns weitervererbt und stammt vom Buchverlag junge Welt (2003). Ich habe mich kurz auf deren Homepage umgesehen und musste leider feststellen, dass es diese Bücher offenbar nicht mehr zu kaufen gibt. Ursprünglich stammen die Bücher (auf Englisch) vom britischen Verlag Andromeda Oxford Limited, wenn meine Rechercheergebnisse stimmen, dann gab es insgesamt 16 Bücher. Das Einzigartige an diesen Büchern ist das Format: Es handelt sich um kleinkindgerechte Pappbücher, die 7 cm hoch, 6 cm breit und 1 cm dick sind und in ganz einfacher Sprache je eine Tierfamilie vorstellen. Erschienen sind wohl auf Englisch: Farmer Family (Vater, Mutter, Susi, Ben und Baby), Goose Family (Die schnatternden Gänse), Owl Family (Die klugen Eulen), Bee Family (Die fleißigen Bienen), Turkey Family (Die dicken Truthähne), Mouse Family (Die kleinen Mäuse), Sheep Family (Die wollenen Schafe), Chicken Family (Die scharrenden Hühner), Rabbit Family (Die munteren Hasen), Fox Family (Die schlauen Füchse) – sowie auch Pig Family, Duck Family, Cow Family, Dog Family, Horse Family und Cat Family, die es jedoch nicht mehr bis zum kleinen Prinzen geschafft haben, sondern schon von dessen Cousin „ausgelesen“ worden sein dürften. In den Büchern steht jeweils relativ wenig Text, und die Übersetzung der deutschen Titel finde ich ebenfalls sehr gelungen. Unsere kleine Leseratte kann bereits sämtliche Tiere auf Deutsch und auf Spanisch, und er bringt auch das passende Buch, wenn man ihn um eine bestimmte Tierfamilie bittet. Wir werden gut auf diese Schätze aufpassen müssen, damit auch die potenziellen Geschwister des kleinen Prinzen noch in den Genuss dieser Bücher kommen können.

Die zweite Bücherreihe haben wir sozusagen selbst entdeckt, weil wir für den Adventskalender unseres Sohnes keine Schokolade verwenden wollten. Nach einiger Recherche haben wir uns für Produkte aus dem Hause Lego (Duplo) entschieden. Es handelt sich um je ein Set, das aus einem Buch und Tierfiguren besteht. Letztere werden aus Duplosteinen gebaut. Die Geschichte dazu ist so konzipiert, dass man die Tiere während des Vorlesens zusammenbaut. Der kleine Prinz hat mit allen  Aktivitäten eine wahre Freude, die dieses Set bietet: Tiere zusammenbauen und zerlegen, mit den Tieren spielen, Tierlaute nachahmen, die Geschichte hören und auch die Bilder der Bücher gefallen ihm sehr gut. Wir haben „Ausflug in den Dschungel“ besorgt. In dieser Geschichte werden ein Elefant, ein Papagei, ein Krokodil und ein Tiger zusammengebaut, und der Rest des Buches bietet viele tolle Bilder von anderen Dschungeltieren und auch der Landschaft. Das zweite Buch ist „Die Regenbogenraupe“. In dieser Geschichte werden ein Käfer, eine Schnecke, ein Frosch und eine große Regenbogenraupe zusammengebaut. Auch dort findet man sehr schöne Bilder von anderen Tieren und von Landschaft.

Mama hält sich beim Vorlesen meist an den vorgegebenen Text – Papa hingegen improvisiert und erzählt jedes Mal eine andere kreative Geschichte auf Spanisch. Die Bilder sind ja zum Glück kulturübergreifend zu gebrauchen!


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„Baba” 2013!

Aus Neugierde habe ich gerade nachgeschlagen, ob es denn das Wörtchen „baba“ im Duden gibt und mit einem Schmunzeln festgestellt, dass „baba“ laut Duden (25. Auflage 2009) mehrere Bedeutungen hat: Als Nomen ist es entweder ein türkischer Ehrentitel von Geistlichen oder (aus dem Slawischen) die Großmutter, als Adjektiv wird es in der Kindersprache als „schmutzig“ oder „eklig“ verwendet (bäbä), und zu guter Letzt hat es „baba“ auch als österreichischer Abschiedsgruß in den Duden geschafft.

In diesem Blog meine ich natürlich „baba“ als den österreichischen Abschiedsgruß. Die Betonung liegt auf dem letzten „a“. Spricht man das Wörtchen mit der Betonung auf dem ersten „a“, so wird das spanische Wort für „Spucke“ daraus. Obwohl auch dieses Wort bei uns natürlich extrem häufig verwendet wird (Stichwort: Zahnen), sagt der kleine Prinz aber derzeit ausschließlich das deutsche Beinahe-Homonym und winkt dazu sehr niedlich mit seiner Hand.

Weitere Wörter, die in den vergangenen Tagen den Wortschatz unseres Sonnenscheins ergänzt haben, bzw. die er aufgrund fleißigen Trainierens mittlerweile anders ausspricht sind: ‚papo‘ (für „zapato“ = Schuh) und ‚schu‘ (für Schuh) – das spanische Wort wird häufiger verwendet. Nur, wenn Mama z. B. antwortet: „Ach so, du hast deinen Schuh an.“, reagiert Sohnemann mit dem deutschen Wort. Eine Zeitlang hat er ausschließlich ‚nane‘ für Banane verwendet, derzeit sagt er nur ‚tata‘ (für „plátano“ = Banane). Auch wenn ich auf Deutsch frage: „Möchtest du eine Banane?“ antwortet unser Sprössling mit ‚tata‘. Klein Sonnenschein hat vor ein paar Tagen außerdem von „agua“ (= Wasser) auf ‚assa‘ umgestellt. Wenn Papa sagt: „¿Quieres agua, mi hijo?“ (Willst du Wasser, mein Sohn?), dann wird jedoch mit dem spanischen „agua“ geantwortet. Außerdem findet unser Sohn großen Gefallen an dem spanischen Wort „por qué“ (‚po qué‘; auf Deutsch „warum“ bzw. „weil“). Optimiert hat er mittlerweile seine Aussprache für Apfel (von ‚apu‘ auf ‚apf‘), der Teddybär wird „oso“ (Spanisch für „Bär“) genannt, nur wenn Mama „Teddy“ sagt, dann wird dieses Wort (völlig korrekt ausgesprochen) auch von unserem Plappermäulchen nachgesprochen. Wenn das Essen schmeckt, dann belohnt er den Koch (meist Papa) mit einem ‚kiko‘ (= „rico“; „lecker“ auf Spanisch). Das deutsche Wort ‚bu‘ (für „Buch“) kann unser kleiner Bücherwurm schon seit einigen Wochen sagen, und nun ist auch das spanische Wort ‚ibo‘ („libro“ = „Buch“) hinzugekommen. Seit Mitte Dezember schläft unser Großer außerdem nicht nur in seinem eigenen Bett, sondern auch in seinem eigenen Zimmer und wurde dann kurz vor Weihnachten auch gleich abgestillt – wenn er dann in der Früh zu uns ins Familienbett kommt und nach ein paar Kuscheleinheiten endlich Frühstück möchte, dann macht er uns mit einem deutlichen ‚esse‘ („Essen“) darauf aufmerksam.

Wie erwartet geht es jetzt also rasant vorwärts, auch beim Laufen wird der kleine Prinz immer sicherer, und Apfel und Banane werden bereits ganz alleine gehalten und mit viel Genuss verzehrt. Für uns ist es eine große Bereicherung, uns mit anderen zweisprachig erziehenden Eltern auszutauschen, und auch die Lektüre von „Consigue que tu hijo sea bilingüe“ liefert einige interessante Fakten bzw. Praxistipps für uns. Das Christkind hat zum Thema ebenfalls Lektüre unter den Baum gelegt. Ich hoffe, bald ein weiteres Buch in Angriff nehmen zu können.

So schreibt Zurer Pearson beispielsweise, dass man Zweisprachigkeit nicht so verstehen darf, dass die Eltern den Kindern die Sprache beibringen. Die Eltern schaffen vielmehr die nötigen Rahmenbedingungen, damit sich beide Sprachen entwickeln können. Im vierten Kapitel ihres Fachbuches stellt die Autorin unterschiedliche Strategien vor, wie Kinder bilingual aufwachsen können. Als Grundvoraussetzung betont Zurer Pearson auch an dieser Stelle wieder, dass das Kind beide Sprachen sprechen wollen muss. Besonders für die zweite Sprache müssen die Eltern dafür sorgen, dass diese dem Kind nützlich und attraktiv erscheint.

Es reicht aber nicht aus, in einem zweisprachigen Umfeld aufzuwachsen. Es ist zwar nicht wirklich schwierig, ein Kind zweisprachig zu erziehen, aber es erfordert dennoch Anstrengungen von den Eltern und geschieht also nicht von selbst.

Die Bezeichnungen der häufigsten Strategien für zweisprachiges Aufwachsen sind:

  • OPOL (One Parent One Language; eine Sprache pro Elternteil)
  • mL@H (Minority Language at Home; Zweitsprache wird zu Hause gesprochen)
  • T&P (Time and Place; Zeit und Ort)
  • MLP (Mixed Language Policy; die Strategie des Sprachen-Mischens)

Im nächsten Blogeintrag (im neuen Jahr) werde ich diese Strategien näher beschreiben. Bis dahin wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen sanften Rutsch in ein spannendes neues Jahr!


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Meilenstein: deutliches Interesse an Büchern

Ein Feiertag und ein überdurchschnittlich großer Workload haben es mir in den vergangenen zwei Wochen schier unmöglich gemacht, einen neuen Blogeintrag zu verfassen. Wirklich geschrumpft ist die Arbeitsmenge zwar noch immer nicht, aber zumindest muss ich heute nicht mit dem Auto nach Graz an die Universität fahren und kann die Zugfahrt wie üblich für die Verarbeitung meiner Gedanken und unserer Erfahrungen in punkto zweisprachiger Erziehung nutzen.

In etwas weniger als zwei Wochen werden wir den ersten Geburtstag des kleinen Prinzen feiern. Wie der Kinderarzt so nett formuliert hat, haben wir also noch ein paar Tage ein Baby, danach gilt unser Sonnenschein bereits als Kleinkind. Die Veränderungen, die wir seit unserer Rückkehr aus Ecuador bei unserem Sohn beobachtet haben, sind so mannigfaltig, dass wir sie gar nicht alle auf einmal fassen können. Die wohl bedeutendste Entwicklung für uns sind die beiden Wörter „Mama“ und „Papa“. Sind wir uns zwar nach wie vor nicht zur Gänze sicher, dass auch wirklich jedes Mal wir gemeint sind, so können wir in manchen Situationen schon relativ gewiss davon ausgehen, dass uns der kleine Prinz bereits beim Namen nennt. Und auch, wenn wir es uns nur einbilden sollten – es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn dieses kleine Wesen, das man seit seiner Entstehung mehr liebt als alles auf dieser Welt, einen ansieht und „Mama“ sagt. Interessanterweise sagt er übrigens beides mit deutscher Aussprache, also auch „Papa“ und nicht „papá“.

Zusätzlich zu diesen beiden Wörtern kommen aber auch schon perfekt wiederholte andere Wörter – wohl noch ohne Bedeutung. Wir merken insbesondere, dass es sich um keine zufälligen Wiederholungen mehr handelt, wie es noch vor wenigen Wochen der Fall war. Unser Sohn übt ganz offensichtlich nachzusprechen, was er hört – vorerst einmal nur zweisilbige Wörter. Er differenziert dabei nicht zwischen Deutsch und Spanisch, beide Sprachen werden gleich häufig imitiert.

Auch die persönlichen Vorlieben unseres Sohnes werden immer deutlicher: Er lernt, sich effizient mitzuteilen. So schnappt er sich immer wieder ein Buch und möchte es anschauen bzw. daraus vorgelesen bekommen. Die Lesemomente sind unheimlich bereichernd, und der sonst so bewegungsfreudige kleine Zwerg, der den ganzen Tag herumkrabbelt, sich hochzieht und an Möbeln entlangspaziert, an den Händen der Eltern herumläuft und Bälle durch die Wohnung kickt, sich darin übt, frei zu stehen etc. setzt sich beim Vorlesen stets auf den Schoß der vorlesenden Person, schmiegt sich an sie und schaut ganz aufmerksam und interessiert die Bilder und den Text an. Er kann mitunter ein und dasselbe Buch drei- bis viermal hintereinander ansehen, ohne dessen müde zu werden. Es kommt auch durchaus vor, dass er alleine ein Bilderbuch öffnet und es sich für einige Zeit ansieht.

Hatten wir bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Sinn darin gesehen, Bücher mit Themen wie „Meine  ersten Wörter“ oder „Hart und weich“ etc. zu verwenden, so konnten wir in den letzten Wochen feststellen, wie unser Sohn gerade diese Bücher – die wir zufällig aus dem Familienbestand im Kinderzimmer hatten – offensichtlich bevorzugt. Auch Bücher dieser Art auf Spanisch, die wir aus Ecuador mitgebracht haben, liebt der kleine Prinz („Buenos días, pajarito; ISBN: 9781445489773″,“Hola conejito“; ISBN: 9781445489797) Da in diesen Bilderbüchern noch kein anspruchsvoller Text vorkommt, lediglich vereinzelte Wörter, ist es auch für keinen von uns eine translatorische Herausforderung, die spanischen Bücher auf Deutsch bzw. die deutschen Bücher auf Spanisch vorzulesen.

Die Fingerpuppenbücher sind nach wie vor beliebt beim kleinen Prinzen. Nachdem wir nun schon etwas erfahrener sind auf dem Gebiet „adäquate Lektüre für kleine Zwerge“ müssen wir auch unsere anfängliche Aussage revidieren, dass die drei Fingerpuppenbücher mit den unterschiedlichen Altersangaben völlig identisch seien. Denn die beiden Bücher aus der Reihe „ministeps“ (12+ m) sind in kurzen Reimen verfasst, die Handlung ist simpel. (Ich kann sie bereits alle in- und auswendig, und meine Zwillingsschwester, von der ich sie weitergeschenkt bekam, weiß die Texte nach fünf Jahren immer noch!) Das dritte Fingerpuppenbuch, (24m) das von Emil dem Eisbären handelt, ist schon etwas komplexer geschrieben, und auch die Handlung ist schon ein bisschen komplizierter. Gefiel unserem Sohnemann früher besonders die Eisbären-Fingerpuppe, so merken wir heute, dass er die Bücher über Schäfchen Locke und den Bären Butz bevorzugt – höchstwahrscheinlich auf Grund der Reime.

Aber auch aus „Sandmännchens Geschichtenbuch“ (ISBN: 978-3473373055) lese ich dem kleinen Prinzen nach wie vor jeden zweiten Abend eine Geschichte vor. Mir ist aufgefallen, dass er nun auch auf die Bilder reagiert und mit seinem niedlichen Zeigefinger auf die unterschiedlichen Figuren oder Objekte zeigt.

In einem der in Ecuador erworbenen spanischen Geschichtenbücher (365 cuentos clásicos, rimas y otras historias, ISBN: 9781445448626) kommen ebenfalls immer wieder kurze Reime bzw. Lieder vor. Bekannte Märchen sind relativ kompakt zusammengefasst und ebenso mit sehr schönen Bildern illustriert. Die Übersetzung aus dem Englischen ist sehr gut gelungen, immerhin hat es die abuelita des kleinen Prinzen in der Annahme gekauft, es sei im Original auf Spanisch.

Wir denken, dass es nun losgeht mit der aktiven sprachlichen Entwicklung – und wir sind irrsinnig gespannt darauf!


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Altersgerechte Bücher und Vorlesen ohne Text

Das Semester ist offiziell zu Ende, und es stehen nur noch einige Abschlussarbeiten und mündliche Prüfungen zwischen mir und den Ferien. Ich bin sicher, dass es besonders dem kleinen Prinzen – dessen „Mamitis“ mittlerweile noch stärker geworden ist – große Freude bereiten wird, nicht mehr jeden Freitag auf seine Mama verzichten zu müssen.

Auch die Reise nach Südamerika rückt damit in großen Schritten näher, und wir müssen uns nun endlich Gedanken über Gepäck und so weiter machen. Da das Vorlesen dem kleinen Sonnenschein so große Freude bereitet, möchte ich natürlich auch in Ecuador an unserem schönen Gutenacht-Ritual festhalten. Um das Ganze möglichst praktisch zu organisieren, werde ich dafür nur ein einziges Buch mitnehmen, in dem eben mehrere Geschichten vorkommen. Papa liest ja immerhin auch schon seit 7 Monaten jeden zweiten Abend aus den beiden selben Büchern.

Bei diversen Recherchen, zum Beispiel bei Ravensburger, findet man gerade für die Babys im Alter von 7 Monaten ausschließlich Bücher zum Fühlen, Knisterbücher etc. Auch wenn Sohnemann nun endlich Interesse an Spielsachen zeigt, finde ich es nicht nötig, solche Bücher anzuschaffen. Gerade fürs Schlafengehen scheinen mir diese außerdem gar nicht angemessen, da er – so mein Gefühl – beim Vorlesen von Geschichten viel besser zur Ruhe kommen kann, als wenn unterschiedliche Geräusche und Texturen sein Interesse wecken. Die meisten Geschichten, die wir lesen, stammen aus Büchern, die laut Angabe für viel ältere Kinder gedacht sind. Dennoch lauscht Sohnemann stets aufmerksam jeder Geschichte – daher denke ich, dass er mit den Texten sicher nicht überfordert wird.

Die vor Wochen bereits erwähnten Fingerpuppenbücher kann ich nun schon alle drei in- und auswendig. Lustige Anekdote: Ich habe meiner Schwester von diesem Umstand berichtet, worauf sie mir – wohl gemerkt nach nunmehr fünf Jahren – ebenso sämtliche Texte „aus dem Effeff“ vortragen konnte :-). Nun habe ich in den Babyzeug-Kisten, die wir innerhalb der Familie immer weiterreichen, einige Bilderbücher gefunden. Eine Altersangabe findet sich auf keinem der Bücher, und sie sind mitunter auch schon etwas vom Gang der Zeit gezeichnet; ihren Zweck erfüllen sie aber allemal, und einige davon regen auch Mamas Kreativität an – ein herzlich willkommener Nebeneffekt!

Es handelt sich dabei nämlich um reine Bilderbücher ohne jeglichen Text über einen Elefanten namens Rüssel. Jedes Buch behandelt ein bestimmtes Thema, zum Beispiel „Rüssel als Baby“, „Rüssel im Sommer“ etc. Zu den Bildern kann man sich jedes Mal eine neue Geschichte ausdenken. Wenn man selbst noch nicht allzu müde ist, kann man versuchen, dass sich die ad hoc erfundenen Zeilen sogar reimen. Natürlich ist nicht jeden Abend genügend Energie für derartigen Denksport übrig, daher werde ich auf jeden Fall vor unserer Reise noch ein passendes Buch organisieren. Immerhin wird für den gesamten Dauer unseres Aufenthaltes in Südamerika Deutsch die weniger gebrauchte Sprache sein, und daher möchte ich besonders dann dem kleinen Prinzen ausreichend deutschsprachige Impulse anbieten.


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Fingerpuppenbücher

Wir nähern uns mit großen Schritten dem Tag, an dem unser kleiner Prinz seinen fünften Lebensmonat vollendet. Das Buch „Der kleine Prinz“ haben wir mittlerweile ausgelesen. (Der Kosename ist übrigens entstanden, bevor ich unserem Sohn dieses Buch vorzulesen begonnen habe.)

Um das von allen Mitgliedern unserer kleinen Familie sehr geschätzte Ritual des Vorlesens weiterhin zu pflegen, mussten also neue deutschsprachige Bücher her. Mamas Berufstätigkeit schränkt die für derlei Aktivitäten zur Verfügung stehende Zeit leider ziemlich ein, aber dennoch ist die eine oder andere kurze Internetrecherche drin, vor allem auf dem Weg an die Uni, da dieser im Zug zurückgelegt wird. Die Durchforstung von Buchläden ist bisweilen ausgeblieben, aber da die Tage nun wieder länger werden und die Motivation für Tätigkeiten jeglicher Art damit beachtlich steigt, werden wir das in nächster Zeit bestimmt zu dritt nachholen.

Unser Sohnemann ist ja nicht das erste Baby in unserer Familie, daher haben wir zuallererst die Fühler in Richtung seiner Tanten ausgestreckt, um an neues Vorlesematerial zu gelangen. Wir erhielten auf diesem Weg drei kleine Fingerpuppenbücher – eines mit einem Schaf, eines mit einem Bären und eines mit einem Eisbären.

Diese Bücher gefallen mir schon viel besser:

  • Es handelt sich um keine „literarische Übersetzung“, wie es bei „Der kleine Prinz“ der Fall war, sondern um tatsächlich für deutschsprachige Kleinkinder/Babys verfasste Texte.
  • Die Sätze sind sehr kurz und einfach strukturiert.
  • Der Inhalt ist simpel und bezieht sich auf die Bilder, die eigentlich der Hauptbestandteil dieser Bücher sind.
  • Es handelt sich um Pappbilderbücher, also ist auch das Material der Bücher schon viel besser auf das Alter unseres Sohnes abgestimmt. (Bei den Seiten von „Der kleine Prinz“ musste ich immer sehr aufpassen, dass sich Sohnemann am Papier nicht verletzen kann.)
  • Über jede Doppelseite zieht sich ein sehr kinderaugenfreundlich gemaltes Bild, das den Text unterstützt.
  • Der Kopf der Fingerpuppe ist auf jeder Seite durch ein Loch gefädelt und lässt sich für jeden Teil der Geschichte bewegen.

Obwohl sich die drei Exemplare in allen oben genannten Punkten sehr ähneln, liegen die Altersangaben sehr weit voneinander entfernt. Die Fingerpuppenbücher des Verlages „ministeps“ werden für 12+ Monate empfohlen, und jene von „arsEdition“ tragen die Empfehlung für 24+ Monate. Sohnemann findet jedoch bereits mit seinen 5 Monaten sehr großen Gefallen an den Fingerpuppenbüchern. Sowohl die Fingerpuppe als auch die Bilder werden mit sehr interessierten und neugierigen Blicken beobachtet. Als nächsten Schritt möchten wir gerne Fühlbücher und Knitterbücher, sowie andere für Babys ab dem 6. Lebensmonat empfohlene Bücher besorgen. Wir sind schon auf die Reaktion unseres kleinen Prinzen gespannt!