Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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Der Interaktions-Junkie

Im Zuge meiner Recherchen zum Thema der zweisprachigen Erziehung bin ich auf verschiedenste wissenschaftliche Texte gestoßen, die die Bedeutung von Interaktion für die sprachliche Entwicklung im Allgemeinen behandeln. Sehr interessant und lesenswert scheint mir in diesem Zusammenhang die Inaugural-Dissertation von Daniela Kiening (http://edoc.ub.uni-muenchen.de/13517/1/Kiening_Daniela.pdf), die unter anderem folgende Erkenntnisse darstellt:

Unterschiedliche Interaktionskontexte bieten Babys einen Rahmen, in denen sie die soziale Funktion von Sprache kennen und beherrschen lernen können. Die Autorin führt an dieser Stelle zum Beispiel das bekannte Spiel „Kuckuck-Da“ an. Für ein Baby sind bestimmte, sich wiederholende Abläufe sehr wichtig, damit es seine kommunikativen Fähigkeiten entwickeln kann. Einen wichtigen Meilenstein in der (kommunikativen) Entwicklung eines Babys stellt jener Zeitraum dar, in dem es beginnt, sich für die Objekte in seiner Umgebung zu interessieren. Zuvor interessiert sich ein Baby nur für Menschen. Beim kleinen Prinzen ist uns zum Beispiel aufgefallen, dass er die ersten sechs Lebensmonate kaum Interesse an Spielzeug zeigte. Erst danach richtete er seine Aufmerksamkeit langsam auf diverse Rasseln und Bälle, und mittlerweile wird jedes neue Objekt bis ins Detail inspiziert und studiert. Der nächste Schritt in Bezug auf die Interaktion als Grundlage für sprachliche Kommunikation sollte dann darin bestehen, dass Sohnemann Objekte mit Personen in Zusammenhang bringt. Derzeit interessiert er sich noch entweder für Dinge, oder für Leute. Und was das Interagieren mit anderen Leuten angeht, ist Sohnemann sogar ein Höchstleistungssportler.

Nur wenige Tage nach Vollendung seines 8. Lebensmonats wagte der kleine Globetrotter ja seine erste Flugreise über den großen Ozean, um die zweite Hälfte seiner Familie endlich persönlich kennenzulernen. Am Tag unserer Abreise waren wir sowohl aufgeregt, endlich unseren kleinen Prinzen in Ecuador präsentieren zu können, als auch nervös in Bezug auf den Langstreckenflug mit einem Baby. Diese Nervosität steigerte sich kurz vor Abflug noch, weil der Flug ca. 2 Stunden Verspätung hatte und Sohnemann schon etwas unruhig wurde. An Bord jedoch war all das schnell verflogen – man könnte sich keinen besseren Fluggast wünschen als den kleinen Sonnenschein. Er schlief in den 12 Stunden nur zwei Mal ganz kurz, denn die restliche Zeit war er damit beschäftigt, die Aufmerksamkeit jeder Person, die unsere Sitzplätze passierte, an sich zu reißen und mit den neuen Freunden zu interagieren. Schenkte ihm jemand nicht gleich seine Aufmerksamkeit, so starrte er die Person so lange an, bis er ihr ein Lächeln entlocken konnte. Er wurde dann auf Niederländisch, Englisch, Spanisch, Deutsch, Französisch etc. gelobt und angehimmelt, was seinerseits wiederum mit einem Lächeln belohnt wurde, das alle Leute an Bord wahrhaft verzauberte.

Wir waren wirklich überrascht darüber, welch großen Gefallen unser kleiner Frechdachs daran fand, mit allen verfügbaren Menschen Kontakt aufzunehmen und in seiner Babysprache zu plaudern. Als wir in Quito angekommen waren und auf unsere Koffer warteten, hörten wir noch viele andere Fluggäste davon schwärmen, was für ein freundliches Baby unser kleiner Prinz nicht sei … Wir werden sehen, ob er dieses Verhalten beibehält, oder ob es sich nur um eine vorübergehende Phase handelt.


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Unsere Geduld ist aufgebRAUCHt.

Aber selbstverständlich nicht, weil der kleine Prinz nun bereits ein halbes Jahr alt ist, und seine motorische und sprachliche Entwicklung jeden Tag mit ihm zu einem Erlebnis macht. Auch nicht, weil nun ein vorwurfsvolles „mamamamama“ mit entsprechendem Gesichtsausdruck kommt, wenn er sich über etwas beschwert und weint – meist, wenn er sehr müde ist, und ihm das Einschlafen schwer fällt. Und nicht einmal deshalb, weil sein intensives Training der unterschiedlichsten Tonhöhen ihm die Fähigkeit zum besonders lauten Kreischen verliehen hat, was – zugegeben – für Mamas und Papas Ohren nicht immer angenehm ist ;-). Es nervt uns natürlich auch nicht, dass Sohnemann immer häufiger plaudert und singt, und die „ruhigen“ Zeiten damit sukzessive weniger werden; obwohl sich dadurch natürlich meine Zweifel verstärken, ob es auf Dauer funktionieren wird, Übersetzungen und Unterrichtsvorbereitungen ausschließlich im Büro in der privaten Wohnung durchzuführen. Nein, all das sind die täglichen Freuden des Elternseins, und unser kleiner Sohn wird wohl noch an die 14 Jahre üben müssen, um unsere Geduld wirklich aufzubrauchen… (Ich denke mir gerade mit einem Schmunzeln im Gesicht, wann ich diese Aussage wohl zum ersten Mal revidieren müssen werde.)

Was uns wirklich nervt, hat zwar mit dem Elternsein zu tun, aber die Kritik gilt nicht dem Sprössling, sondern der österreichischen Gesellschaft. Ich will heute vom eigentlichen Thema dieses Blogs also etwas abweichen und mir meinen Frust an unserer Gesellschaft ein wenig von der Seele schreiben. Es geht um das leidige Thema des Rauchens. Ich war ja selbst jahrelang starke Raucherin, und habe das Laster glücklicherweise loswerden können, bevor wir uns entschieden haben, Eltern zu werden. Aus diesem Grund verstehe ich natürlich auch die Raucher, und als die Vorschrift für Raucher- und Nichtraucherbereiche in Kraft getreten ist, fand ich es eine durchaus gute und für alle Beteiligten passende Strategie. Allerdings hinkt die Umsetzung in einem Maße, das mir nicht mehr egal ist.

Am Muttertag mussten wir zum dritten Mal in Folge die Erfahrung machen, dass Nichtraucherbereiche in niederösterreichischen Restaurants einfach nur zum Schein existieren. Es werden zwar Glaswände oder andere räumliche Abtrennungen installiert, aber entweder sind diese überhaupt nicht abgedichtet, oder Türen müssen aus praktischen Gründen offen gehalten werden – man wird also im Nichtraucherbereich trotzdem zum Passivraucher, ob man will, oder nicht. Schon alleine deshalb, weil man, um in den Nichtraucherbereich und von diesem dann wieder aus dem Restaurant oder auch zur Toilette zu gelangen, sowieso den Raucherbereich passieren muss, was allerdings noch das geringer Übel wäre. Ein kleines Baby ständig Zigarettenrauch aussetzen zu müssen, das finden wir absolut nicht okay. Und wenn man dann Familien sieht, die mit ihren Kleinen gar einen Tisch im Raucherbereich wählen, dann versteht man doch die Welt nicht mehr.

Wenn wir im Vergleich dazu das „Entwicklungsland“ Ecuador heranziehen, dann müssen wir feststellen, dass die dortige Kultur viel raucherunfreundlicher und damit gleichzeitig kinderfreundlicher ist. Es ist unvorstellbar, dass sich dort neben einem kleinen Kind jemand eine Zigarette anzündet, und auch in den Restaurants haben die Nichtraucher den Vorrang, nicht die Raucher. Da fragt man sich doch, in welcher der beiden Kulturen noch Entwicklungspotenzial besteht. Für uns steht jedenfalls fest, dass wir künftig in Österreich nur noch in Restaurants essen werden, wenn wir die Nichtraucherbereiche vorab auf ihre Funktionalität geprüft haben.