Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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Da steht der kleine Prinz plötzlich in meinem Büro vor dem Bücherregal und meint: „Libros de la mami“ (Mamis Bücher). Das verwundert mich so sehr, dass ich mich auf eine kurze Recherche ins World Wide Web begebe: Kann es sein, dass im Spanischen die Präpositionen einfach früher gelernt werden, oder war das eben ein Ausrutscher?

In der Tat: Während deutschsprachige Quellen ein ungefähres Alter von 2,5 Jahren angeben, finden sich bei der Recherche auf Spanisch schon ab 18 Monaten Ergebnisse zum Thema des Erlernens von Präpositionen.

Sobald ich das Unisemester endgültig abgeschlossen habe, möchte ich mich näher mit diesem Thema auseinandersetzen.


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Der kleine Dolmetscher

Skype ist eine fabelhafte Erfindung – vor allem für Familien, deren Mitglieder auf unterschiedlichen Kontinenten zu Hause sind. Auch für zweisprachige Erziehung spielt Skype eine beachtliche Rolle, da es zusätzliche Kommunikations- und Interaktionssituationen in der schwachen Sprache beiträgt.

So gehört Skype auch beim kleinen Prinzen zum Alltag dazu. Wenn möglich wird täglich mit der ecuadorianischen Familie videotelefoniert. Wenn Mamas Arbeitstag es zulässt, dann ist sie auch dabei und spricht mit den Ecuadorianern Spanisch, mit dem kleinen Prinzen jedoch weiterhin Deutsch.

So kam es, dass ich Sohnemann, als Papa gerade nicht da war, während einer Skype-Unterhaltung auf Deutsch fragte, ob er denn gerne eine  Banane essen möchte. Der kleine Prinz grinste, schaute seine abuelita (Oma) auf dem Bildschirm an und sagte: ¡plátano! (die ecuadorianische Bezeichnung für Banane). Dann drehte er sich mit einem Bitte! wieder zu mir.


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Die ersten Sätze

Endlich Sommer – wobei es bestimmt noch ein paar Wochen dauern wird, bis bei uns endlich die wohlverdiente Ruhe einkehren kann, die die Sommermonate meist mit sich bringen. Spätestens beim diesjährigen (etwas kürzeren) Ecuadoraufenthalt werden wir dann aber alle drei die Seelen baumeln lassen!

Der kleine Prinz ist nun schon gute 19 Monate alt und hat so richtig Lust auf Spracherwerb. Dass das auch Nachteile haben kann, mussten wir beim ersten WM-Match Ecuador–Schweiz feststellen, als sich Papa authentisch über die gegnerischen Tore geärgert hat, das kleine Plappermaul sich natürlich das schlimmste aller Schimpfwörter auf Anhieb gemerkt hat und gleich fünfzig Mal hintereinander in unser Wohnzimmer gebrüllt hat. Das Interesse an Verbotenem fängt also schon ziemlich früh an, und er scheint es irgendwie zu merken, was uns besonders ärgert – obwohl wir uns bewusst zurückgehalten und versucht haben, ihm keine große Aufmerksamkeit zu schenken.

Natürlich gibt es jedoch auch erfreuliche Beispiele seiner wachsenden Sprachkompetenz: Wenn der Sohnemann hinfällt, dann sage ich meistens – damit er kein Drama daraus macht – „Gar nichts passiert! War nur ein kleines Hoppala!“. Seit einigen Tagen sagt auch der kleine Prinz jedes Mal, wenn er umfällt, oder wenn ihm etwas hinunterfällt, eben diesen Satz. Zugegeben, man muss schon Papa oder Mama sein, um ihn zu verstehen, bzw. von uns darauf hingewiesen werden.

Beim Formenstecken hingegen leitet ihn Papa immer an, dass er auf „la misma forma“ (dieselbe Form) achten muss, daher plappert der kleine Prinz jedes Mal, wenn er einen der Bausteine in die Hand nimmt, eben das nach.

Da er so sehr auf unsere Brieftaschen abfährt und wir aber nicht möchten, dass er sie als Spielzeug betrachtet, haben wir ihm eine alte, ausgediente Brieftasche zum Spielen gegeben, die ihm der Papa dann erklärt hat, unter anderem, dass ins Kleingeldfach die Münzen gehören (Aquí van las monedas.) Jedes Mal, wenn der kleine Prinz seine Brieftasche in die Hand nimmt, öffnet er dieses Fach und sagt „Aquí van la monedas“.

Allerdings zeigt er uns auch gerade hier, dass er den Begriff der Münze, den sich das deutsche Wort „Münze“ und das spanische Wort „moneda“ teilen, absolut miteinander verbindet. Mit Mama spielt er nämlich besonders gerne mit seiner Spardose in Form eines Autos, in die er Münzen hineinwirft. Ist Mama also in der Nähe, wenn er seine Brieftasche erkundet, schaltet er sofort auf die deutsche Interaktionssituation um und bittet mich um das „Auto für die Münzen“.

Eine andere Situation, wieder zum Thema der Sprachvermischung, ist uns beim Lesen aufgefallen. Das Buch über Pommes, das er so gerne mit Papa gelesen hat (bevor ihm seine Tante aus Ecuador „Caillou y el tren 1, 2, 3 geschickt hat, das seither absoluter Favorit ist und mehrmals täglich gelesen wird), begann Papa immer mit der Einleitung „¿De dónde salen las papas, y cómo se hacen las papas fritas? (Woher kommen die Kartoffeln, und wie macht man Pommes?). Nun liest er mit Mama besonders gerne He Duda, und wenn er dieses Buch aufschlägt, sagt er immer „¿De dónde, y cómo, He Duda?“.

Wir finden es faszinierend, wie der kleine Prinz nach und nach dazulernt und die beiden Sprachen im Großen und Ganzen doch immer besser voneinander abgrenzt. Allerdings bereiten uns auch diese Sprachvermischungen keinerlei Sorge, da wir sicher sind, dass sich das mit den Jahren legen wird, sie entlocken uns lediglich ein kleines Schmunzeln, wie auch die Stilblüten aus dem Kindermund von einsprachigen Kindern …