Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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Multi-Kulti „in da Oaschicht“

Die fiesen Beißerchen, die tage- und nächtelang die Nerven unserer Kleinfamilie auf die Probe gestellt haben, sind nun endlich da. Klein Sonnenschein übt auch fleißig, das erhöhte Zahnkontingent in seinem Mündchen in der Praxis anzuwenden, auch Zähneknirschen hat er schon gelernt (Gänsehaut …). Es ist wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt, obwohl der kleine Prinz in letzter Zeit ziemlich weinerlich ist. Laut babycenter.de werden viele kleine Kinder anhänglicher, wenn sie begreifen, wie groß die Welt ist.

Umso schwerer fällt es mir heute, zum Semesterstart zum ersten Mal wieder die Reise nach Graz anzutreten. Ab nächster Woche wird dazu auch noch eine Fahrt pro Woche nach Wien hinzukommen, weil ich dort am Zentrum für Translationswissenschaft ebenfalls zwei Kurse übernommen habe.

Unser Wunsch, dem kleinen Prinzen einen Kommunikationsrahmen auf Englisch zu bieten, hat sich nun auf überraschende Weise erfüllt. Und ganz ohne organisatorischen Aufwand unsererseits – eine wahre Freude für die berufstätige Mama! Wir wurden nämlich zu einem Multi-Kulti-Treffen eingeladen. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk, das multikulturelle Familien hier bei uns auf dem Land ins Leben gerufen haben, um sich miteinander auszutauschen. Wir finden das eine tolle Gelegenheit, unsere spezifischen Zweifel und Erfahrungen zu teilen und freuen uns bereits sehr auf die nächste Zusammenkunft.

Und an dieser Stelle eine kurze Erklärung zur Überschrift: „in da Oaschicht“ kommt aus meinem Mostviertler Dialekt und heißt auf Hochdeutsch „in der Einschicht“. Ich habe ziemlich verwundert festgestellt, dass es dieser Ausdruck sogar in den Duden geschafft hat. „Einschicht“ steht für Einöde, und dieser Ausdruck wird in der Mundart sehr häufig dafür verwendet, um eine sehr ländliche Gegend zu beschreiben, in der nicht viel los ist.

Aber nun zurück zum Thema: Im Multi-Kulti-Netzwerk gibt es eine interessante Mischung an Kulturen. Die jeweiligen Nicht-Österreicher kommen aus der Elfenbeinküste, Ecuador, Indien, Ägypten, und es werden bestimmt noch weitere Familien hinzukommen. Hauptsächlich unterhalten wir uns auf Englisch, obwohl auch manchmal auf Deutsch bzw. mitunter Spanisch zurückgegriffen wird. Das Tolle an der Sache ist, dass die meisten Kinder ungefähr im Alter des kleinen Prinzen sind, und daher gibt es nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder genügend gemeinsame Interessen. Sohnemann hat das Treffen wirklich genossen, genauso wie wir. Hat es bei diesem ersten Treffen vorerst einmal nur zum Kennenlernen gereicht, so werden wir bestimmt künftig auch das Thema zweisprachige Erziehung intensiver diskutieren können. Ich bin sehr gespannt, welchen Weg die anderen Familien einschlagen haben, um ihren Sprösslingen beide Sprachen auf hohem Niveau zu vermitteln.

Der kleine Prinz hat nun jedenfalls bereits begonnen, sehr intensiv alles nachzuplappern. Er klatscht und sagt „Bravo“, er will Fußball spielen und sagt „Ball“, und sein Brabbeln, das er natürlich nach wie vor den gesamten Tag über eifrig praktiziert, klingt wirklich schon nach Sprache, mit Intonation und allem drum und dran. Obwohl wir so lange in Südamerika waren, ich mit meinem Mann nur Spansich spreche und wir auch weiterhin täglich mit der Familie skypen, scheint es also, als wären die ersten Nachsprechversuche des kleinen Prinzen doch auf Deutsch, wobei man „Bravo“ natürlich wieder beiden Sprachen zuordnen kann …


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Die sprachliche Entwicklung: 0-10 Monate

Sohnemann wird schon bald 10 Monate. Wenn ich die Zeit seit seiner Geburt in meinem Kopf Revue passieren lasse, dann kann ich kaum glauben, wie viele Gefühle, Erfahrungen, Gedanken, Hürden, Zweifel, Glücksmomente etc. in so wenigen Wochen in mir Platz hatten und haben. Muttersein ist wahrhaft etwas unbeschreiblich Bereicherndes, das sich mit absolut nichts vergleichen lässt.

In wenigen Tagen verlassen wir das schöne Ecuador und die liebgewonnene Großfamilie. Die Reisevorbereitungen bestimmen daher unseren Tagesablauf. Dies wird vorerst der letzte Blogeintrag aus diesem wunderschönen Land – aber die nächste Reise ist selbstverständlich bereits gewiss.

Im Vergleich zu unserem kleinen niederösterreichischen Heimatort ist Quito natürlich eine Oase des Lärms, selbst nachts ist es hier laut, und tagsüber jagt ein Autoalarm den nächsten, verschiedene Verkäufer preisen mit Lautsprechern Gemüse oder Zeitungen, Messerschliffe oder frisches Obst an, und die Hunde bellen allerorts. Mich verwundert es wirklich, dass der kleine Prinz dennoch seine üblichen Schläfchen hält, und auch nachts macht ihm der Lärm rein gar nichts aus. Er wachte nicht einmal letzte Nacht auf, als der Alarm eines angrenzenden Hauses die gesamte Nachbarschaft weckte und rund zehn Polizisten zum Gespräch in Nachbars Garten holte. Das sind wahrscheinlich die Latino-Gene, ;-). (Der vermeintliche Einbrecher wurde übrigens nie gesichtet. Entweder war da nie jemand und eine Katze hat den Alarm ausgelöst, oder der Dieb hat rasch das Weite gesucht.)

Gerade die Hunde dürften es Sohnemann jedoch angetan haben, denn sobald er morgens seine niedlichen Augen öffnet und die Hunde bellen hört, sieht er mich an und macht „Wau, wau“. Anfangs dachte ich, er imitiert einfach nur die Laute, die er hört. Aber nun weiß ich, dass er bereits den Begriff „Hund“ mit diesen Lauten verbindet, denn er hat einen kleinen Stoffhund geschenkt bekommen, und wenn er mit diesem spielen möchte, dann sieht er mich an und macht ebenfalls „Wau, wau“. Ich bin unendlich neugierig, wie es nun weitergeht, und vor allem, in welcher Sprache anfangs mehr Wörter zu hören sein werden. „Wau, wau“ bzw. „Guau, guau“ lässt sich leider noch nicht konkret weder Deutsch noch Spanisch zuordnen, weil es sich um eine lautmalerische Äußerung handelt, die für beide Sprachen gültig ist.

Da es nun aber bald losgehen sollte, dass Sohnemann seine ersten Wörter von sich gibt, habe ich mich gefragt, welche Etappen der Sprachentwicklung er denn nun bereits abgeschlossen hat. Ich fand zu diesem Thema einen hochinteressanten wissenschaftlichen Text von Cornelia Hamann. Laut ihrer Arbeit ergeben verschiedene Studien, dass Kinder eine Sprache nicht rein durch Imitation lernen. Sie machen ja auch häufig Fehler in der Konjugation, zum Beispiel, oder auch im Satzbau. Diese Fehler haben sie jedoch nicht von anderen Muttersprachlern gehört, sondern sie wenden die Regeln an, die hinter der Sprache stehen, und begehen dabei manchmal Fehler (Ausnahmen in der Konjugation, etc.). Aber auch nicht alleine die Korrekturen der Eltern sind der Grund dafür, dass ein Kind eine Sprache lernt. Wenn Kinder einen Satz fehlerhaft formulieren, reagieren Eltern darauf bzw. treten in Kommunikation mit dem Kind – mitunter auch, ohne den Fehler zu korrigieren bzw. ohne den korrekten Satz zu wiederholen. Das Kind weiß also nicht, dass der Satz nicht korrekt war. Kinder auf der ganzen Welt haben demnach die angeborene Fähigkeit, Sprache zu lernen.

Von Geburt an reagieren Säuglinge extrem auffällig auf phonetische Eigenheiten von Sprachen, also auf die unterschiedlichen Laute. Ebenfalls von Geburt an verfügen Babys über die Fähigkeit, zwei Sprachen aufgrund rhythmischer Eigenheiten voneinander zu unterscheiden. Wenn ein Baby geboren wird, dann kann es prinzipiell sämtliche Laute erkennen, die es gibt. Diese Fähigkeit ist grundlegend dafür, jede beliebige Sprache lernen zu können. Mit der Zeit reduzieren Babys ihr Repertoire dann auf jene Laute, die sie auch wirklich brauchen – die Laute der Muttersprache/n.

Mit ca. 6 bis 8 Monaten beginnen Kinder zu brabbeln – sie formen sich wiederholende Silben wie z. B. „mamama“. Besonders interessant fand ich an dieser Stelle, dass auch taube Kinder zur selben Zeit beginnen, mit der Hand zu brabbeln. Als nächsten Schritt, zwischen 8 und 10 Monaten, verlieren Babys die Fähigkeit, Laute zu erkennen, die nicht zu ihrer Muttersprache zählen. Mit der Zeit reduzieren sie ihr Repertoire dann auf jene Laute, die sie auch wirklich brauchen. Sie beginnen, in der oder den Muttersprache/n zu brabbeln. Zwischen 10 und 12 Monaten sprechen Kinder ihr erstes Wort. Innerhalb des ersten Lebensjahres gewöhnen sich Babys immer mehr an die Silbenstruktur und die Lautstruktur der Sprache/n, in der oder in denen sie leben. Dieser Verlust der Universalität (alles umfassende Fähigkeit) ist nötig, um einen Wortschatz aufbauen zu können.

Ich freue mich schon sehr darauf, hier von den ersten Wörtern unseres Sonnenscheins berichten zu können!