Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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ESDM mit UK

Der Workshop bei LifeTool – eine tolle Einführung in MetaTalk und Modelling in der UK – hat mir wieder eine Menge neuer Ideen geliefert, wie man UK facettenreich, unterhaltsam und individuell auf das Kind angepasst in den Alltag integrieren kann. Romana Malzer hat sehr viele tolle Materialien vorgestellt und sämtliche Fragen beseitigt, die ich bis zu diesem Zeitpunkt hinsichtlich MetaTalk hatte. Ich modele so gut es geht mit MetaTalk zu Hause, gleichzeitig führen wir ein Tagebuch mit Etiketten zum Kleben, den Wochenplan, und im Kindergarten sowie bei der Autismustherapie arbeiten wir mit dem Plauderbuch.

Auch in unsere ESDM-Einheiten bauen wir UK ein. ESDM ist eine spielerische Therapieform, bei der zuvor eine ausführliche Diagnostik gemacht wird, in welchen Entwicklungsbereichen das Kind noch Unterstützung benötigt, und in Folge darauf von der Therapeutin ein „Spielplan“ überlegt wird, den man regelmäßig auch zu Hause durchspielt. Ich muss gestehen, dass ich anfangs etwas skeptisch war, doch wir hatten nun bereits unsere erste Anpassung des Spielplans, und ich bin sehr überrascht von den vielen kleinen Fortschritten, die der kleine Prinz macht UND was am wichtigsten ist: wir haben alle Spaß daran. Die kleine Fee macht genauso gerne mit wie der Papa, und durch die vielen Wiederholungen und guter Strukturierung nach TEACCH prägen sich die Lerninhalte beim kleinen Prinzen super ein. Es wird immer auch auf viel Bewegung geachtet, und obwohl es auf den ersten Blick nicht so schien, lassen sich die Einheiten gut in unseren Alltag einbauen. Es kam auch schon vor, dass ich an einem Tag gesagt hätte, dass wir den Tag ohne ESDM-Einheit beenden und der kleine Prinz ausdrücklich darum gebeten hat. Ein gutes Zeichen, finde ich.

Gerade im sprachlichen Bereich merke ich hier sehr viel Potenzial. Der kleine Prinz spricht bei den Reimen mit, führt mit mir gemeinsam die von Sprüchen begleiteten Zeichnungen aus und singt weiter, wenn ich aufhöre. Es gibt immer ganz viele Situationen, in denen der kleine Prinz etwas aussuchen darf: perfekte Kommunikationsförderer. Und durch die Kombination mit Symbolen stelle ich sicher, dass wir uns auch wirklich „verstehen“. Es ist zwar ganz schön viel Arbeit, das alles auszuarbeiten, vorzubereiten und auch konsequent umzusetzen, aber es lohnt sich allemal.

In wenigen Tagen kommt die Tante aus Ecuador für ein paar Wochen zu Besuch. Ich bin gespannt, wie es wird ;-). Zum Glück sind schon nächste Woche Osterferien, da mahlen die Mühlen jedenfalls schon einmal naturgemäß etwas langsamer …

 


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Erst- und Zweitsprache

Mit ihren 2,5 Jahren ist die kleine Fee – neurotypische Schwester des kleinen Prinzen – eine richtige Quasselstrippe. Auf Deutsch (gut: auf Mostviertlerisch). Den ganzen lieben langen Tag redet sie, kommentiert alles, erzählt irrsinnig viel, kopiert Aussagen von mir, versteht zwar alles, was ihr der Papi auf Spanisch sagt, aber sie spricht auch mit ihm bzw. beim Skypen mit  Ecuador nur Deutsch. Wenn der Papi sie bittet, Spanisch zu sprechen, dann sagt sie immer wieder das Wort „español“, redet aber locker-lässig Deutsch weiter.

Der kleine Prinz hingegen – dessen Erstsprache anfangs vermutlich aufgrund meiner Vollzeit-Berufstätigkeit – Spanisch war, konnte schon immer perfekt zwischen Deutsch und Spanisch unterscheiden. Er hat mich noch nie auf Spanisch und den Papi nie auf Deutsch angesprochen. Auch die Skypeecuadorianer nicht. Und es scheint, als würde er sich für jeden Begriff gleich beide Sprachvarianten abspeichern. Seit die Kinder wieder den Hauptteil ihrer Zeit mit mir verbringen, merkt man auch beim kleinen Prinz trotz aller Sprachentwicklungsverzögerung, dass seine Erstsprache Deutsch ist.

Manchmal frage ich mich, ob die Zweisprachigkeit für die verzögerte Sprache des kleinen Prinzen mitverantwortlich sein könnte. Immerhin hat sein Gehirn durch seine autistische Wahrnehmung mit sehr viel Input zu tun, und dann noch zwei Sprachen …

In wenigen Wochen haben wir unseren ersten individuellen Beratungstermin für UK (Unterstützte Kommunikation) mit dem kleinen Prinzen. Ich erhoffe mir da für ihn eine ganz tolle Unterstützung dabei, sich mitteilen zu können und hoffe, dass auch das Umfeld (Kindergarten, Therapeutinnen) entsprechend mitzieht. Das gestaltet sich nämlich leider als unerwartet schwierig…


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Eineindeutig kommunizieren – der perfekte Terminologe

Der dritte Tag im schönen, sonnigen Quito ist bereits angebrochen, und die Strapazen des Langstreckenflugs waren rasch vergessen. Der kleine Prinz hat den Flug sehr gut gemeistert, die kleine Fee mit ihrem ausgeprägten Temperament war da schon mehr Herausforderung. Da sie aber außer einem markanten Dickschädel auch ein ausgesprochen süßes Lächeln hat, waren die anderen Fluggäste gar nicht wirklich genervt von ihren Showeinlagen. So richtig geschlafen haben beide Kinder eigentlich erst gut eine Stunde vor der Landung, Mami überhaupt nicht.

Für den Flug hatten wir zum Glück an kleine gewohnte Snacks gedacht, denn der kleine Prinz hat von der Flugzeugverpflegung lediglich den Orangensaft akzeptiert. Die kleine Fee hat zwar alles probiert, aber dann auch dankend (oder auch nicht) abgelehnt. Im Haus der Großfamilie angekommen, fühlten sich beide Kinder auf Anhieb wohl und essen überraschenderweise auch praktisch alles. Der kleine Prinz war ja bereits zwei Mal hier, für die kleine Fee ist es der erste Urlaub bei Papis Familie. Man merkt schon jetzt, dass die kleine Fee hier mehr Spanisch spricht, der kleine Prinz hält sich auch auf dieser Seite des Ozeans eher zurück und spricht hauptsächlich mit mir, oder wenn ich ihn darum bitte, auch mal mit anderen. Er fühlt sich aber gut angenommen und wohl, und darum geht es doch in erster Linie in der Familie.

Eine der auffälligsten Besonderheiten in der Sprache des kleinen Prinzen ist wohl die Eineindeutigkeit, mit der er Begriffe und Benennungen abspeichert, dicht gefolgt von seiner Angewohnheit, jeden Begriff gleich in beiden Sprachen festzulegen. Mit Über- oder Unterbegriffen und Kategorien hat er da überhaupt keine große Freude. Wer ihm zu wenig exakt kommuniziert, wird angeraunzt ;-). Als Ausnahme gilt hier, wenn wir unser „Wir sagen Blödsinn“-Spiel spielen, bei dem wir absichtlich etwas falsch bezeichnen. Im Grunde genommen ist er mit diesem hohen Anspruch der eineindeutigen Begriffsbelegung also der perfekte Terminologe. Vielleicht wird die Terminologiewissenschaft ja sogar einmal ein denkbares Berufsfeld für den kleinen Prinzen? Weit hergeholt, das ist mir klar, immerhin ist er erst 4, aber man macht sich halt so seine Gedanken.

So darf in der Regel zum Beispiel der Clownfisch (pez payaso) auf keinen Fall nur als Fisch bezeichnet werden, und ein Boot nicht als Schiff, eine Banane nicht als Obst und eine Schnitte nicht als Süßigkeit. Wenn wir gemeinsam in einem Buch lesen, ist das ja noch kein großes Hindernis, wenn er jedoch ein Bedürfnis kommuniziert oder ich ihm etwas zu essen oder trinken anbiete, dann kann hier schon mal ein Missverständnis auftreten. Fragt er mich beispielsweise nach einem Mangosaft und ich antworte ihm „Selbstverständlich, ich bring dir deinen Saft gleich“, dann ist in 9 von 10 Fällen Frust angesagt. Saft ist für ihn einfach nicht gleich Mangosaft, und er fürchtet, dass ich ihm dann doch einen anderen Saft unterjubeln möchte.

Nun habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, dass ich mich hier einfach mehr an der Nase nehmen und korrekter formulieren muss, allerdings fürchte ich, dass ich dem kleinen Prinzen damit für die Zukunft keinen großen Gefallen mache. Immer wieder wird er in Situationen kommen, wo andere mit ihm eben so „schwammig“ kommunizieren.

Also werde ich ihm mit Hilfe von UK (Unterstützter Kommunikation) auf dem iPad und den tollen Apps, die wir nun angeschafft haben, die Kategorien und Begriffe der wichtigsten Alltagsdinge visuell darstellen. Ich bin gespannt, wie und vor allem wann das fruchtet und werde hier berichten.


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Erstaunliche Ergebnisse nach nur 2 Wochen Auslandsaufenthalt

Der kleine Prinz fühlt sich in südamerikanischen Gefilden pudelwohl. Da er vom Hauttyp her auch absolut europäisch aussieht und dadurch einfach auffällt, zieht er überall Blicke auf sich – was er sichtlich genießt. Auch im Kreise der Familie sind alle stets um ihn bemüht und spielen mit ihm, lesen ihm Bücher vor, sehen Bilderbücher mit ihm an, singen ihm Lieder vor – das volle Programm. Hatten wir in Österreich bereits festgestellt, dass Spanisch sich rascher entwickelt als Deutsch, so hat hier in Ecuador eine richtige Entwicklungsbombe eingeschlagen.

Der Kleine gibt nach nur 2 Wochen hier in Quito bereits vollständige und korrekte Sätze von sich: ¿Dónde está el tío? (Wo ist der Onkel?), ¿Qué haces, abuelita? (Oma, was machst du?), ¿Qué pasó? (Was ist los/Was ist passiert?), ¡Vamos a pasear! (Gehen wir spazieren!), sind nur einige Beispiele. Auch sein Vokabular wächst täglich: Er erkennt nun schon Hyänen, Moränen, Langusten, Rochen, Strauße, Hexen, Kobolde, Zwerge… und das in beiden Sprachen. Seine Begeisterung für Bücher kommt ihm hier zu Gute, ebenso wie die freudige Reaktion seines Publikums, wenn er irgendein neues Wort richtig sagt.

Zur Schlafenszeit verabschiedet er sich also von sämtlichen Anwesenden mit buenas noches, wenn jemand aus dem Raum oder Haus geht, bekommt er ein freundliches ciao oder hasta luego (Bis später) zu hören, und wenn jemand niest sagt der kleine Sonnenschein salud (Gesundheit), zum Beispiel.

Ein paar Tage bleiben uns noch hier im schönen Ecuador. Wir werden sehen, was da noch so alles aus dem süßen Mund gesprudelt kommt …


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Die sprachliche Entwicklung: 0-10 Monate

Sohnemann wird schon bald 10 Monate. Wenn ich die Zeit seit seiner Geburt in meinem Kopf Revue passieren lasse, dann kann ich kaum glauben, wie viele Gefühle, Erfahrungen, Gedanken, Hürden, Zweifel, Glücksmomente etc. in so wenigen Wochen in mir Platz hatten und haben. Muttersein ist wahrhaft etwas unbeschreiblich Bereicherndes, das sich mit absolut nichts vergleichen lässt.

In wenigen Tagen verlassen wir das schöne Ecuador und die liebgewonnene Großfamilie. Die Reisevorbereitungen bestimmen daher unseren Tagesablauf. Dies wird vorerst der letzte Blogeintrag aus diesem wunderschönen Land – aber die nächste Reise ist selbstverständlich bereits gewiss.

Im Vergleich zu unserem kleinen niederösterreichischen Heimatort ist Quito natürlich eine Oase des Lärms, selbst nachts ist es hier laut, und tagsüber jagt ein Autoalarm den nächsten, verschiedene Verkäufer preisen mit Lautsprechern Gemüse oder Zeitungen, Messerschliffe oder frisches Obst an, und die Hunde bellen allerorts. Mich verwundert es wirklich, dass der kleine Prinz dennoch seine üblichen Schläfchen hält, und auch nachts macht ihm der Lärm rein gar nichts aus. Er wachte nicht einmal letzte Nacht auf, als der Alarm eines angrenzenden Hauses die gesamte Nachbarschaft weckte und rund zehn Polizisten zum Gespräch in Nachbars Garten holte. Das sind wahrscheinlich die Latino-Gene, ;-). (Der vermeintliche Einbrecher wurde übrigens nie gesichtet. Entweder war da nie jemand und eine Katze hat den Alarm ausgelöst, oder der Dieb hat rasch das Weite gesucht.)

Gerade die Hunde dürften es Sohnemann jedoch angetan haben, denn sobald er morgens seine niedlichen Augen öffnet und die Hunde bellen hört, sieht er mich an und macht „Wau, wau“. Anfangs dachte ich, er imitiert einfach nur die Laute, die er hört. Aber nun weiß ich, dass er bereits den Begriff „Hund“ mit diesen Lauten verbindet, denn er hat einen kleinen Stoffhund geschenkt bekommen, und wenn er mit diesem spielen möchte, dann sieht er mich an und macht ebenfalls „Wau, wau“. Ich bin unendlich neugierig, wie es nun weitergeht, und vor allem, in welcher Sprache anfangs mehr Wörter zu hören sein werden. „Wau, wau“ bzw. „Guau, guau“ lässt sich leider noch nicht konkret weder Deutsch noch Spanisch zuordnen, weil es sich um eine lautmalerische Äußerung handelt, die für beide Sprachen gültig ist.

Da es nun aber bald losgehen sollte, dass Sohnemann seine ersten Wörter von sich gibt, habe ich mich gefragt, welche Etappen der Sprachentwicklung er denn nun bereits abgeschlossen hat. Ich fand zu diesem Thema einen hochinteressanten wissenschaftlichen Text von Cornelia Hamann. Laut ihrer Arbeit ergeben verschiedene Studien, dass Kinder eine Sprache nicht rein durch Imitation lernen. Sie machen ja auch häufig Fehler in der Konjugation, zum Beispiel, oder auch im Satzbau. Diese Fehler haben sie jedoch nicht von anderen Muttersprachlern gehört, sondern sie wenden die Regeln an, die hinter der Sprache stehen, und begehen dabei manchmal Fehler (Ausnahmen in der Konjugation, etc.). Aber auch nicht alleine die Korrekturen der Eltern sind der Grund dafür, dass ein Kind eine Sprache lernt. Wenn Kinder einen Satz fehlerhaft formulieren, reagieren Eltern darauf bzw. treten in Kommunikation mit dem Kind – mitunter auch, ohne den Fehler zu korrigieren bzw. ohne den korrekten Satz zu wiederholen. Das Kind weiß also nicht, dass der Satz nicht korrekt war. Kinder auf der ganzen Welt haben demnach die angeborene Fähigkeit, Sprache zu lernen.

Von Geburt an reagieren Säuglinge extrem auffällig auf phonetische Eigenheiten von Sprachen, also auf die unterschiedlichen Laute. Ebenfalls von Geburt an verfügen Babys über die Fähigkeit, zwei Sprachen aufgrund rhythmischer Eigenheiten voneinander zu unterscheiden. Wenn ein Baby geboren wird, dann kann es prinzipiell sämtliche Laute erkennen, die es gibt. Diese Fähigkeit ist grundlegend dafür, jede beliebige Sprache lernen zu können. Mit der Zeit reduzieren Babys ihr Repertoire dann auf jene Laute, die sie auch wirklich brauchen – die Laute der Muttersprache/n.

Mit ca. 6 bis 8 Monaten beginnen Kinder zu brabbeln – sie formen sich wiederholende Silben wie z. B. „mamama“. Besonders interessant fand ich an dieser Stelle, dass auch taube Kinder zur selben Zeit beginnen, mit der Hand zu brabbeln. Als nächsten Schritt, zwischen 8 und 10 Monaten, verlieren Babys die Fähigkeit, Laute zu erkennen, die nicht zu ihrer Muttersprache zählen. Mit der Zeit reduzieren sie ihr Repertoire dann auf jene Laute, die sie auch wirklich brauchen. Sie beginnen, in der oder den Muttersprache/n zu brabbeln. Zwischen 10 und 12 Monaten sprechen Kinder ihr erstes Wort. Innerhalb des ersten Lebensjahres gewöhnen sich Babys immer mehr an die Silbenstruktur und die Lautstruktur der Sprache/n, in der oder in denen sie leben. Dieser Verlust der Universalität (alles umfassende Fähigkeit) ist nötig, um einen Wortschatz aufbauen zu können.

Ich freue mich schon sehr darauf, hier von den ersten Wörtern unseres Sonnenscheins berichten zu können!


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Der kleine Schreihals

Der Sommer nähert sich mit Riesenschritten seinem Ende und in mir wächst die Gewissheit, dass unser kleiner Prinz seine ecuadorianische Fangemeinde mit Protesten und viel Unverständnis vermissen wird, sobald wir wieder in Österreich sind. Wie es auf Dauer sein würde, kann ich von diesen beiden Monaten zwar nicht ableiten, aber prinzipiell haben wir das Konzept „Großfamilie“ sehr zu schätzen gelernt.

Recherchen zufolge ist gerade die Zeit ab dem 8. Lebensmonat sehr bedeutend für die sprachliche Entwicklung von Kindern. Für unseren Sohnemann ist es daher bestimmt von großem Vorteil, dass wir uns gerade jetzt längere Zeit in seiner südamerikanischen Zweitheimat aufhalten, zumal er ja in einer deutschsprachigen Umgebung aufwachsen wird. Die Zweisprachigkeit wird in seinem späteren Leben für ihn bestimmt viele positive Effekte mit sich bringen. Da die beiden Familien jedoch geografisch immens weit voneinander entfernt liegen, darf man auch die Nachteile unserer familiären Gegebenheiten nicht außer Acht lassen: Unser Sonnenschein wird immer eine Hälfte seiner großen Familie vermissen.

Aus gegebenem Anlass habe ich in den letzten Tagen in verschiedensprachigen Foren rund um das Thema „Kreischen mit 9 Monaten“ recherchiert. Unser kleiner Prinz hat nämlich seit einiger Zeit eine neue Lieblingsbeschäftigung: Kreischen, was das Zeug hält. Und das in jeder Situation: wenn er vergnügt ist, wenn er sich beschwert, wenn man ihm etwas aus der Hand nimmt, wenn er etwas haben möchte, wenn er stehen will, wenn er sich aufsetzen möchte, wenn er umfällt, und so weiter und so fort. Glücklicherweise decken sich unsere Erfahrungen mit jenen anderer Familien im deutsch- sowie auch im spanischsprachigen Raum: Zwischen dem 6. und dem 10. Lebensmonat ungefähr dürften Babys liebend gerne die Potenziale ihrer Stimmbänder auf die Probe stellen. Ich bin sehr gespannt, wie lange diese Phase andauern wird.

Einen Artikel zu diesem Thema habe ich besonders interessant gefunden. Er stammt aus DIE ZEIT aus dem Jahre 1967 und handelt von einer Studie, die in den USA durchgeführt wurde. Diese Studie belegte, dass frühes Kreischen (zumindest bei Mädchen) auf erhöhte Intelligenz schließen ließe. Die Untersuchungen ergaben außerdem interessante Durchschnittswerte: Das erste „kommunikative“ Kreischen fand im Durchschnitt mit 5,6 Monaten statt. Äußerungen wie „ga-ga“ oder dergleichen wurden im Durchschnitt mit 8,5 Monaten getätigt, und der erste Zweiwortsatz wurde durchschnittlich mit 12,9 Monaten gesagt.


Ein Kommentar

Überlegungen zur sprachlichen Entwicklung

Wir sind nun schon einige Tage in Südamerika, und Sohnemann hat seinen täglich verfügbaren Fanclub um ein Vielfaches vergrößert. Seine Interaktionsfreude wird demnach sehr intensiv stimuliert – und das am laufenden Band. Hinzu kommt, dass die meisten Latinos einfach von der Mentalität her viel vernarrter in Kinder sind, als man es von einem Mitteleuropäer je erwarten könnte. Man nennt das hier guagüero. [Witzige Anmerkung: Das Wort guagua stammt hier in Ecuador aus dem Quichua und bedeutet „Kind“. Auf Gran Canaria jedoch bedeutet es „Bus“; und guagüero ist auf Gran Canaria der Busfahrer :-).] Es dreht sich wirklich fast den ganzen Tag alles um unseren Sonnenschein, und ich hoffe, dass er dieses Überangebot an Aufmerksamkeit nicht zu sehr vermisst, wenn wir wieder in Österreich sind. Natürlich unterhalten wir uns innerhalb der Familie auch häufig über die Entwicklung unseres Sohnes bzw. von Kindern im Allgemeinen. Besonders die sprachliche Entwicklung ist ein Thema, das mich im Zusammenhang mit der bilingualen Erziehung unseres kleinen Prinzen selbstverständlich immer wieder beschäftigt.
Zu diesem Thema fand ich beim Lesen von „Consigue que tu hijo sea bilingüe“ von Barbara Zurer Pearson eine Liste mit 12 Tipps, die dazu beitragen sollen, dass das Kind sprachlich gefordert und gefördert wird:

1. Kinder im Gespräch gleich behandeln
Die Autorin schreibt, dass man bereits auf die ersten Laute des Kindes antworten soll, so als hätte das Kind ein ganz normales Wort von sich gegeben. Die Bedeutung kann man sich selbst überlegen, allerdings sollte man auf die eigenen Tonlage achten: Das Kind soll Interesse und Beachtung spüren.

2. Positive Sprache verwenden
Anstatt dem Kind zu sagen: „Setz dich hin und sei still!“ sollte man versuchen, die Dinge positiv zu formulieren, zum Beispiel: „Es gefällt mir sehr, dass du so brav sitzenbleibst und still bist.“

3. Über die Themen sprechen, die das Kind interessieren
Es ist ganz einfach zu erkennen, was das ist. Man muss nur darauf achten, wohin das Kind blickt oder worauf es zeigt.

4. Niemals über die Kommunikationsversuche des Kindes lachen
Natürlich kann man mit dem Kind lachen, niemals jedoch über das Kind, schon gar nicht über seine Versuche zu kommunizieren – so witzig man diese auch finden mag.

5. Die korrekte Äußerung wiederholen, anstatt zu korrigieren
Laut der Autorin sollte man sich eher darauf konzentrieren, was das Kind sagt, nicht wie.

6. Die Äußerungen des Kindes ausbauen
Barbara Zurer Pearson schreibt, dass man das Vokabular des Kindes am effektivsten ausbaut, wenn man alles, was das Kind sagt, umformuliert oder erweitert. Wenn das Kind zum Beispiel seine ersten Worte versucht und „Ball“ sagt, dann könnte man antworten: „Siehst du denn Ball? So ein schöner blauer Ball! Wirfst du ihn zu mir her?“

7. Dem Kind die Möglichkeit geben zu sprechen
Laut der Autorin sollte man sich etwas in Geduld üben und dem Kind die Möglichkeit geben, die eigenen Äußerungen in ein Gespräch einzubringen.

8. Offene Fragen stellen
„Was hat das Pferd beim Umzug gemacht?“ oder „Was hat dir am Umzug am besten gefallen?“ anstatt „Hat dir der Umzug gefallen?“.

9. Dem Kind ein Gerüst für seine Geschichten anbieten
Die Autorin empfiehlt, gemeinsam mit dem Kind Geschichten zu erfinden und diese (wiederholt) zu erzählen.

10. Kommunikationsmittel effektiv einsetzen
Mann soll gemeinsam fernsehen, gemeinsam Bücher lesen etc. Jede Gesprächsmöglichkeit soll genutzt werden.

11. Spielend lehren
Kinder lernen am besten im Spiel. Die Eltern sollten dafür sorgen, dass das Kind Spaß beim Lernen hat! Wenn man die Rolle des Lehrers einnehmen möchte, dann nur in ganz kleinen Portionen.

12. Bewegung und Sprache kombinieren
Singen und dazu die Finger bewegen ist eine tolle Art zu lernen. Es gibt viele lustige Lieder mit Tänzen, die auch einen Lerneffekt erzielen. Man sollte auf ausreichend Wiederholungen und Refrains achten.

Diese Tipps sind für mich wieder ein Beispiel dafür, dass man nicht auslernt. Wie sagt man so schön auf Spanisch: A la cama no te irás sin saber una cosa más. An viele der eben behandelten Ratschläge hätte ich beim besten Willen nicht gedacht – und das, obwohl ich mich intensiv mit der Thematik auseinandersetze. Ich hoffe, dass wir uns diese Tipps bald zu Herzen nehmen werden und in unseren Alltag einbauen können.