Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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Kritik an den ministeps & weitere sprachfördernde Aktivitäten

Schwuppdiwupp: schon ist der kleine Prinz 21 Monate jung. Wenn die Mama mal jemand fragen würde – mir geht das viel zu schnell :-).

Unser kleiner Sonnenschein liebt nach wie vor Bücher: wir lesen nun nicht mehr abwechselnd Deutsch/Spanisch, sondern er bekommt jeden Abend sowohl spanische als auch deutsche Gute-Nacht-Geschichten, was auch immer er sich aussucht. Auch tagsüber bringt er sowohl Papi als auch Mami mehrmals Bücher, aus denen wir ihm vorlesen sollen. Die Texte der Lieblingsbücher kann er sogar schon zu einem Großteil auswendig miterzählen.

Wie alle Kinder verbindet er dabei die Bilder mit dem dazugehörigen Text, daher vermute ich einmal, dass auch andere Eltern dasselbe Problem mit „Butz, der Bär“ und „Meine allerersten Geschichten“ aus der ministeps-Reihe haben. „Butz, der Bär“ ist ein Fingerpuppenbuch, das für Einjährige konzipiert ist. Die gesamten ministeps-Produkte handeln von diesem Bären und seinen Freunden – Schäfchen Locke, Häschen Pelle, Emil Ente und Pia Maus. Leider hat Ravensburger aber meines Erachtens am falschen Ende gespart: Im Buch „Meine allerersten Geschichten“, ab ca. 18 Monaten geeignet, werden nämlich mehrere Illustrationen aus „Butz, der Bär“ verwendet – jedoch mit einem völlig anderen Text.

Der kleine Prinz war anfangs wirklich irritiert und bittet mich meistens, den altbekannten Text aus dem Fingerpuppenbuch zu lesen – was ich wiederum sehr schade finde, weil die anderen Texte ebenfalls sehr kreativ und nett verfasst sind, und natürlich auch schon ein wenig anspruchsvoller wären.

Natürlich verbringen wir aber nicht den ganzen Tag mit Lesen. Eine weitere Aktivität, in die man Sprache gut einbauen kann und die zumindest unserem Sprössling großen Spaß macht: Zeichnen. Ich wundere mich selbst mehrmals täglich, wie positiv sich das regelmäßige Training auf meine Ergebnisse auswirkt, und noch mehr erstaunt mich, dass der kleine Prinz immer erkennt, was seine (zeichnerisch leider eher unbegabte) Mami jeweils darstellen will – garantierte Unterhaltung für alle Beteiligten!


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Präpositionen

Der letzte Eintrag liegt bereits eine Weile zurück – die vergangenen Wochen haben nicht einmal das kleinste Zeitfenster für das Blogschreiben erlaubt. Nun befinden wir uns im wohlverdienten Urlaub und genießen Sonne, Strand und Meer, und nach den ersten wirklich erholsamen Tagen nutze ich das Mittagsschläfchen des keinen Prinzen endlich wieder einmal für einen Blogeintrag.

Zuletzt hatte ich mir ja über das Erlernen der Präpositionen Gedanken gemacht, da wir festgestellt haben, dass der kleine Prinz im Spanischen bereits die eine oder andere (besitzanzeigende) Präposition verwendet, wohingegen im Deutschen/Mostviertlerischen lediglich hin und wieder die Artikel in seine Zwei- bis Dreiwortsätze eingebaut werden. Sohnemann ist mittlerweile gut 20 Monate jung und hat natürlich im vergangenen Monat einiges dazugelernt – unter anderem stellen wir fest, dass er auch im Deutschen immer wieder (besitzanzeigende) Präpositionen verwendet. Alles in allem ist aber nach wie vor festzuhalten, dass sich sein Spanisch viel schneller entwickelt als sein Deutsch/Mostviertlerisch; vielleicht hängt das aber auch damit zusammen, dass sich in Österreich die „gelesene“ Sprache eben etwas von der gesprochenen unterscheidet. Übrigens: im Vergleich zu gleichaltrigen Österreichern liegt er nicht hinten.

Nun zurück zum Thema der Präpositionen. Es ist gar nicht so einfach, informative und hochwertige Informationen zu finden, die den Spracherwerb im spanischsprachigen Raum behandeln! Die meisten Werke, die (online) verfügbar sind, beziehen sich auf Englisch als Muttersprache. Da es auf der Hand liegt, dass die typischen Schwierigkeiten etc. beim Erwerb der Muttersprache von Sprache zu Sprache variieren, wollte ich jedoch unbedingt entsprechende Lektüre zu Rate ziehen. Gefunden habe ich letztendlich nach mehreren Recherchen eine Diplomarbeit aus Chile. Im Rahmen der Studie wurden natürliche Sprechakte (zu Hause im Kreise der Familie) von je 4 Kindern im Alter von 18, 24, 30 und 36 Monaten aufgenommen und anschließend analysiert.

Die Studie hält fest, dass das erste Auftreten von Präpositionen in den Sprechakten der Kinder zwischen 18 und 24 Monaten passiert – und zwar sobald das Kind grundlegende Strukturen der spanischen Grammatik beherrscht. Sobald das Kind Zweiwortsätze von sich gibt, ist es in der Lage, die Sinneinheiten zu segmentieren. Auch wenn in dieser Phase noch relativ selten Präpositionen verwendet werden, so ist es dennoch von Bedeutung festzuhalten, wann diese das erste Mal auftreten, da sie Aufschluss über die sprachliche Entwicklung geben.

Hinsichtlich der Art der Präpositionen, die zuerst gelernt werden, haben die Resultate der Studie ergeben, dass spanischsprachige Muttersprachler zuerst jene Präpositionen verwenden, die für Orts- oder Besitzangaben benötigt werden (a/de/en). Danach werden jene Präpositionen gelernt, die dafür gebraucht werden, Zweck und Mittel anzugeben (para/con/por), wobei in dieser Phase auch die zuerst gelernten Präpositionen in facettenreicheren Anwendungssituationen eingesetzt werden (Grund, Art, Inhalt, Herkunft). Sehr interessant finde ich, dass in dieser Studie keine einzige Präposition zur Zeitangabe verwendet wurde – bestimmt, weil das Zeitgefühl eben erst viel später entwickelt wird.

Damit liegt der kleine Prinz also voll und ganz auf dem Niveau gleichaltriger Muttersprachler – was mich sehr verwundert, weil wir immer wieder davor gewarnt werden, dass die sprachliche Entwicklung bei zweisprachigen Kindern anfangs etwas langsamer verläuft.

Wie war oder ist das denn bei euch? Hat jemand Erfahrungswerte für uns bzw. andere Leserinnen und Leser?