Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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Der kleine Dolmetscher

Skype ist eine fabelhafte Erfindung – vor allem für Familien, deren Mitglieder auf unterschiedlichen Kontinenten zu Hause sind. Auch für zweisprachige Erziehung spielt Skype eine beachtliche Rolle, da es zusätzliche Kommunikations- und Interaktionssituationen in der schwachen Sprache beiträgt.

So gehört Skype auch beim kleinen Prinzen zum Alltag dazu. Wenn möglich wird täglich mit der ecuadorianischen Familie videotelefoniert. Wenn Mamas Arbeitstag es zulässt, dann ist sie auch dabei und spricht mit den Ecuadorianern Spanisch, mit dem kleinen Prinzen jedoch weiterhin Deutsch.

So kam es, dass ich Sohnemann, als Papa gerade nicht da war, während einer Skype-Unterhaltung auf Deutsch fragte, ob er denn gerne eine  Banane essen möchte. Der kleine Prinz grinste, schaute seine abuelita (Oma) auf dem Bildschirm an und sagte: ¡plátano! (die ecuadorianische Bezeichnung für Banane). Dann drehte er sich mit einem Bitte! wieder zu mir.


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Die ersten Sätze

Endlich Sommer – wobei es bestimmt noch ein paar Wochen dauern wird, bis bei uns endlich die wohlverdiente Ruhe einkehren kann, die die Sommermonate meist mit sich bringen. Spätestens beim diesjährigen (etwas kürzeren) Ecuadoraufenthalt werden wir dann aber alle drei die Seelen baumeln lassen!

Der kleine Prinz ist nun schon gute 19 Monate alt und hat so richtig Lust auf Spracherwerb. Dass das auch Nachteile haben kann, mussten wir beim ersten WM-Match Ecuador–Schweiz feststellen, als sich Papa authentisch über die gegnerischen Tore geärgert hat, das kleine Plappermaul sich natürlich das schlimmste aller Schimpfwörter auf Anhieb gemerkt hat und gleich fünfzig Mal hintereinander in unser Wohnzimmer gebrüllt hat. Das Interesse an Verbotenem fängt also schon ziemlich früh an, und er scheint es irgendwie zu merken, was uns besonders ärgert – obwohl wir uns bewusst zurückgehalten und versucht haben, ihm keine große Aufmerksamkeit zu schenken.

Natürlich gibt es jedoch auch erfreuliche Beispiele seiner wachsenden Sprachkompetenz: Wenn der Sohnemann hinfällt, dann sage ich meistens – damit er kein Drama daraus macht – „Gar nichts passiert! War nur ein kleines Hoppala!“. Seit einigen Tagen sagt auch der kleine Prinz jedes Mal, wenn er umfällt, oder wenn ihm etwas hinunterfällt, eben diesen Satz. Zugegeben, man muss schon Papa oder Mama sein, um ihn zu verstehen, bzw. von uns darauf hingewiesen werden.

Beim Formenstecken hingegen leitet ihn Papa immer an, dass er auf „la misma forma“ (dieselbe Form) achten muss, daher plappert der kleine Prinz jedes Mal, wenn er einen der Bausteine in die Hand nimmt, eben das nach.

Da er so sehr auf unsere Brieftaschen abfährt und wir aber nicht möchten, dass er sie als Spielzeug betrachtet, haben wir ihm eine alte, ausgediente Brieftasche zum Spielen gegeben, die ihm der Papa dann erklärt hat, unter anderem, dass ins Kleingeldfach die Münzen gehören (Aquí van las monedas.) Jedes Mal, wenn der kleine Prinz seine Brieftasche in die Hand nimmt, öffnet er dieses Fach und sagt „Aquí van la monedas“.

Allerdings zeigt er uns auch gerade hier, dass er den Begriff der Münze, den sich das deutsche Wort „Münze“ und das spanische Wort „moneda“ teilen, absolut miteinander verbindet. Mit Mama spielt er nämlich besonders gerne mit seiner Spardose in Form eines Autos, in die er Münzen hineinwirft. Ist Mama also in der Nähe, wenn er seine Brieftasche erkundet, schaltet er sofort auf die deutsche Interaktionssituation um und bittet mich um das „Auto für die Münzen“.

Eine andere Situation, wieder zum Thema der Sprachvermischung, ist uns beim Lesen aufgefallen. Das Buch über Pommes, das er so gerne mit Papa gelesen hat (bevor ihm seine Tante aus Ecuador „Caillou y el tren 1, 2, 3 geschickt hat, das seither absoluter Favorit ist und mehrmals täglich gelesen wird), begann Papa immer mit der Einleitung „¿De dónde salen las papas, y cómo se hacen las papas fritas? (Woher kommen die Kartoffeln, und wie macht man Pommes?). Nun liest er mit Mama besonders gerne He Duda, und wenn er dieses Buch aufschlägt, sagt er immer „¿De dónde, y cómo, He Duda?“.

Wir finden es faszinierend, wie der kleine Prinz nach und nach dazulernt und die beiden Sprachen im Großen und Ganzen doch immer besser voneinander abgrenzt. Allerdings bereiten uns auch diese Sprachvermischungen keinerlei Sorge, da wir sicher sind, dass sich das mit den Jahren legen wird, sie entlocken uns lediglich ein kleines Schmunzeln, wie auch die Stilblüten aus dem Kindermund von einsprachigen Kindern …


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Bussi a la Banane (Ojemine, das Code-Switching hat begonnen!)

Natürlich hatten wir im Vorfeld darüber gelesen: Sowohl bei Zurer Pearson (Consigue que tu hijo sea bilingüe), als auch bei Triarchi-Herrmann (Mehrsprachige Erziehung – Wie Sie Ihr Kind fördern) wird das Thema des Kode- oder Sprachwechsels angesprochen, da es seit jeher als ein Indiz dafür gehandelt wird, dass Zweisprachigkeit ein Nachteil für die Kinder sei. Nicht nur diese beiden Autorinnen, auch andere einschlägige Literatur und Praxisberichte, die sich mitunter auch online finden lassen, betonen jedoch, dass es sich hier um ein Ammenmärchen handelt.

Bei zweisprachigen Kindern ist es nämlich absolut normal, dass die Sprachen untereinander vermischt werden. Der Grund dafür liegt darin, dass die Kinder beide Sprachen parallel lernen, und gewisse Wörter eben in einer Sprache zuerst aufgenommen werden. Die Vermischung der beiden Sprachen wird auch als „kindliche Sprachmischung“ bezeichnet. Das Bewusstsein dafür, dass sie zwei unterschiedliche Sprachen erwerben, stellt sich bei bilingualen Kindern erst viel später ein. Umso bewusster sich die Kinder diesem Umstand werden, desto mehr wird auch das Vermischen der Sprachen abnehmen.

Der kleine Prinz ist mit seinen gut 18 Monaten mittlerweile zu einem strammen Eineinhalbjährigen herangewachsen, der tagein tagaus wächst, lernt, übt, sich weiterentwickelt und liebend gerne mit anderen interagiert; sich über alle Maßen freut, wenn etwas gelingt; sich grün und blau ärgert, wenn etwas nicht so klappt, wie er es geplant hatte. Seine Freude über neue kommunikative Funktionen drückt er auf ganz besondere Weise aus: Der neu bezeichnete Gegenstand oder auch die Optimierung der Aussprache eines bereits bekannten Dinges, fallweise auch einfach die Freude über das Wort an sich, werden von ihm mit einem „Bussi“ kommentiert. Mami freut sich dann mit dem kleinen Sonnenschein und sagt: „Ein Bussi für die Banane! Das ist aber lieb von dir!“ Sohnemann darauf: „Bussi a la Banane“. Und auch: „Bussi a la Kakao“. Ebenso: „Bussi a la Maulwurf“ etc.

Nun mag man sich vielleicht fragen – wieso gerade „a la“? Diese Struktur stammt von unseren spanischen Skype-Sessions mit Ecuador. Wenn wir diese täglichen Videounterhaltungen beenden, bekommt die „abuelita“ (Oma) immer ein „beso“ (Bussi) zum Abschied. Papi sagt: „Beso a la abuelita“ (Ein Bussi für die Oma.). „Bussi“ und „beso“ sind bereits seit langer Zeit parallel in Verwendung, aber die Präposition „für + Artikel“ wollte auf Deutsch offenbar noch nicht so recht mitziehen. Auch in diesen Situationen halte ich mich übrigens daran, den kleinen Prinzen nicht direkt auszubessern, sondern lediglich die korrekte Struktur zu wiederholen. Wir werden sehen, ob und wann Sohnemann die passenden Deutschen Wörter einsetzt …