Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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„Baba” 2013!

Aus Neugierde habe ich gerade nachgeschlagen, ob es denn das Wörtchen „baba“ im Duden gibt und mit einem Schmunzeln festgestellt, dass „baba“ laut Duden (25. Auflage 2009) mehrere Bedeutungen hat: Als Nomen ist es entweder ein türkischer Ehrentitel von Geistlichen oder (aus dem Slawischen) die Großmutter, als Adjektiv wird es in der Kindersprache als „schmutzig“ oder „eklig“ verwendet (bäbä), und zu guter Letzt hat es „baba“ auch als österreichischer Abschiedsgruß in den Duden geschafft.

In diesem Blog meine ich natürlich „baba“ als den österreichischen Abschiedsgruß. Die Betonung liegt auf dem letzten „a“. Spricht man das Wörtchen mit der Betonung auf dem ersten „a“, so wird das spanische Wort für „Spucke“ daraus. Obwohl auch dieses Wort bei uns natürlich extrem häufig verwendet wird (Stichwort: Zahnen), sagt der kleine Prinz aber derzeit ausschließlich das deutsche Beinahe-Homonym und winkt dazu sehr niedlich mit seiner Hand.

Weitere Wörter, die in den vergangenen Tagen den Wortschatz unseres Sonnenscheins ergänzt haben, bzw. die er aufgrund fleißigen Trainierens mittlerweile anders ausspricht sind: ‚papo‘ (für „zapato“ = Schuh) und ‚schu‘ (für Schuh) – das spanische Wort wird häufiger verwendet. Nur, wenn Mama z. B. antwortet: „Ach so, du hast deinen Schuh an.“, reagiert Sohnemann mit dem deutschen Wort. Eine Zeitlang hat er ausschließlich ‚nane‘ für Banane verwendet, derzeit sagt er nur ‚tata‘ (für „plátano“ = Banane). Auch wenn ich auf Deutsch frage: „Möchtest du eine Banane?“ antwortet unser Sprössling mit ‚tata‘. Klein Sonnenschein hat vor ein paar Tagen außerdem von „agua“ (= Wasser) auf ‚assa‘ umgestellt. Wenn Papa sagt: „¿Quieres agua, mi hijo?“ (Willst du Wasser, mein Sohn?), dann wird jedoch mit dem spanischen „agua“ geantwortet. Außerdem findet unser Sohn großen Gefallen an dem spanischen Wort „por qué“ (‚po qué‘; auf Deutsch „warum“ bzw. „weil“). Optimiert hat er mittlerweile seine Aussprache für Apfel (von ‚apu‘ auf ‚apf‘), der Teddybär wird „oso“ (Spanisch für „Bär“) genannt, nur wenn Mama „Teddy“ sagt, dann wird dieses Wort (völlig korrekt ausgesprochen) auch von unserem Plappermäulchen nachgesprochen. Wenn das Essen schmeckt, dann belohnt er den Koch (meist Papa) mit einem ‚kiko‘ (= „rico“; „lecker“ auf Spanisch). Das deutsche Wort ‚bu‘ (für „Buch“) kann unser kleiner Bücherwurm schon seit einigen Wochen sagen, und nun ist auch das spanische Wort ‚ibo‘ („libro“ = „Buch“) hinzugekommen. Seit Mitte Dezember schläft unser Großer außerdem nicht nur in seinem eigenen Bett, sondern auch in seinem eigenen Zimmer und wurde dann kurz vor Weihnachten auch gleich abgestillt – wenn er dann in der Früh zu uns ins Familienbett kommt und nach ein paar Kuscheleinheiten endlich Frühstück möchte, dann macht er uns mit einem deutlichen ‚esse‘ („Essen“) darauf aufmerksam.

Wie erwartet geht es jetzt also rasant vorwärts, auch beim Laufen wird der kleine Prinz immer sicherer, und Apfel und Banane werden bereits ganz alleine gehalten und mit viel Genuss verzehrt. Für uns ist es eine große Bereicherung, uns mit anderen zweisprachig erziehenden Eltern auszutauschen, und auch die Lektüre von „Consigue que tu hijo sea bilingüe“ liefert einige interessante Fakten bzw. Praxistipps für uns. Das Christkind hat zum Thema ebenfalls Lektüre unter den Baum gelegt. Ich hoffe, bald ein weiteres Buch in Angriff nehmen zu können.

So schreibt Zurer Pearson beispielsweise, dass man Zweisprachigkeit nicht so verstehen darf, dass die Eltern den Kindern die Sprache beibringen. Die Eltern schaffen vielmehr die nötigen Rahmenbedingungen, damit sich beide Sprachen entwickeln können. Im vierten Kapitel ihres Fachbuches stellt die Autorin unterschiedliche Strategien vor, wie Kinder bilingual aufwachsen können. Als Grundvoraussetzung betont Zurer Pearson auch an dieser Stelle wieder, dass das Kind beide Sprachen sprechen wollen muss. Besonders für die zweite Sprache müssen die Eltern dafür sorgen, dass diese dem Kind nützlich und attraktiv erscheint.

Es reicht aber nicht aus, in einem zweisprachigen Umfeld aufzuwachsen. Es ist zwar nicht wirklich schwierig, ein Kind zweisprachig zu erziehen, aber es erfordert dennoch Anstrengungen von den Eltern und geschieht also nicht von selbst.

Die Bezeichnungen der häufigsten Strategien für zweisprachiges Aufwachsen sind:

  • OPOL (One Parent One Language; eine Sprache pro Elternteil)
  • mL@H (Minority Language at Home; Zweitsprache wird zu Hause gesprochen)
  • T&P (Time and Place; Zeit und Ort)
  • MLP (Mixed Language Policy; die Strategie des Sprachen-Mischens)

Im nächsten Blogeintrag (im neuen Jahr) werde ich diese Strategien näher beschreiben. Bis dahin wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen sanften Rutsch in ein spannendes neues Jahr!


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Mit eigenen Schritten dem Christkind entgegen …

Weihnachten steht praktisch vor der Tür, aber von Besinnlichkeit und Ruhe ist weit und breit (noch?) keine Spur. Stapelweise warten Hausübungen und Projektarbeiten darauf korrigiert zu werden, die Unterlagen für die Gerichtsdolmetscherprüfung werfen mir in regelmäßigen Abständen vorwurfsvolle Blicke zu, und auch die geschäftliche Weihnachtspost will endlich erledigt werden. Das ist lediglich eine kleine Auswahl, und nur aus den beruflichen Verpflichtungen, denn natürlich gibt es auch privat noch so einiges zu tun, bis das Christkind kommen kann.

Obwohl er natürlich einen (mit Duplo-Steinen anstatt Schokolade befüllten) Adventskalender bekommen hat, lässt den kleinen Prinzen das bevorstehende Weihnachtsfest noch relativ unberührt. Seit dem 10. Dezember übt er sich fleißig darin, seine ersten Schritte zu tun und freut sich irrsinnig, wenn es ihm gelingt. Und wir freuen uns natürlich mit ihm! Nicht nur die körperliche sondern auch die sprachliche Entwicklung unseres Sohnemanns bringt uns beinahe täglich zum Staunen:

Er antwortet immer öfter mit „¿Qué?“ (Deutsch: was?) wenn Papa ihn beim Namen ruft, macht die Ente und den Fisch nach (da decken sich der deutschsprachige und der spanischsprachige Kulturraum), sagt „Ente“ sowie auch „Apfel“ (‚apu‘). Wenn ihm etwas hinunterfällt oder auch in anderen – stets passenden – Situationen sagt der kleine Prinz „Uiiiii“. Wenn wir den Kamin einheizen sagt er voll Faszination „fuego“ (‚uego‘; Deutsch: Feuer), und wenn es ein Frühstücksei gibt, freut er sich über ein „huevo“ (‚uebo‘; Deutsch: Ei). Ganz allgemein ist momentan sein Lieblingswort: „Na“ (Mostviertlerisch für „Nein“). Bis Weihnachten wird wohl noch so einiges an sprachlicher Fertigkeit hinzukommen – wir sind ja so gespannt!

Nun wieder zurück zu meiner aktuellen Lektüre. Barbara Zurer Pearson hat in ihrem Buch zwölf hilfreiche Tipps für die Förderung der Zweisprachigkeit eines Kindes ausgearbeitet:

  1. Durchdachte Organisation (sich für eine Vorgehensweise der zweisprachigen  Erziehung entscheiden und dabei bleiben)
  2. Motivieren ohne Druck auszuüben (den Kindern immer wieder auf unterschiedlichen Wegen mitteilen, wie toll es ist, zwei Sprachen zu lernen)
  3. Die Zweitsprache positiv verpacken (sich bemühen, dass es für das Kind besonders lustig ist, die zweite Sprache zu nutzen, z. B. mithilfe von Liedern und Bewegung bzw. Belohnungen wie  Bücher, ein Ausflug, das Lieblingsessen; besonders wichtig: viel Lob, viele Wiederholungen)
  4. Vorsicht vor Bestrafungen (Drohungen sind langfristig gesehen ein zweischneidiges Schwert, weil die Zweitsprache dadurch extrem an Reiz verliert.)
  5. Viele unterschiedliche Hilfsmittel verwenden (sowohl zur Unterhaltung des Kindes als auch als Informationsquelle für Eltern geeignet: Bücher, CDs, Videos – entweder zweisprachig oder in der Sprache, die dem Kind gelehrt wird; Websites, Mailinglisten oder Handbücher)
  6. Direkte Interaktion mit dem Kind (Hilfsmittel nur als Unterstützung der aktiven Beschäftigung mit dem Kind sehen)
  7. Nicht über Fehler lachen (die Fehler des Kindes, so niedlich sie auch sein mögen, nie ins Lächerliche ziehen)
  8. Keine Schauspielerei vom Kind verlangen (das Kind nie bitten, etwas in der anderen Sprache zu sagen; das stört zweisprachige Kinder am meisten. Sie finden es in der Regel auch unlogisch, mit  jemandem in einer Sprache zu sprechen, die dieser gar nicht beherrscht.)
  9. Direkte Korrekturen vermeiden (besser den Satz korrigiert wiederholen oder in korrekter Form zur Frage umformulieren; siehe den Blogeintrag zum Thema der (ein-)sprachlichen Entwicklung eines Kindes)
  10. Die Sprache nicht nur in der  Familie verwenden (Treffen mit anderen zweisprachigen Familien organisieren, reisen, fremdsprachige Au-Pairs oder Haushaltshilfen beschäftigen, Besuche von Muttersprachlern organisieren – am besten Kinder zum Spielen, allerdings sind ältere Menschen ebenfalls mitunter gerne „Leihgroßeltern“; kurz: dem Kind zeigen, dass sehr viele Menschen die zweite Sprache sprechen)
  11. Möglichkeiten der zweisprachigen Ausbildung nutzen (zweisprachige Bildungsstätten suchen und unterstützen)
  12. Weitere Ressourcen nutzen (Sprachcamps, Spielgruppen, Musikgruppen oder dergleichen in der Zweitsprache ausfindig machen und zusätzlich nutzen)

In diesem Sinne wünschen wir allen eine schöne Adventszeit!