Zweisprachig im Spektrum

Zweisprachigkeit und Autismus


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Quantensprung (5,9 Jahre)

Mit Riesenschritten steuert der kleine Prinz, der gar nicht mehr so klein ist, auf seinen sechsten Geburtstag zu. Zu unserem großen Glück hat er noch ein ganzes Jahr Zeit, bis der Ernst der Schule über uns hereinbricht. Dementsprechend relaxed haben wir diesen Sommer bisher verbracht, und es hat dem gesamten Konstrukt sehr gut getan.

Wir hätten hier in Österreich zwar die Möglichkeit der Ferienbetreuung im Kindergarten, doch dank der großartigen Unterstützung meiner gar nicht mehr ganz so jungen Eltern konnten wir auch diesen Sommer darauf verzichten. Auch sämtliche andere Therapiefahrten haben wir auf ein absolutes Minimum reduziert: ein paar Mal Reiten, und ein Mal pro Woche eine Ergogruppe zusammen mit der kleinen Fee, da die beiden ab September gemeinsam in den Kindergarten gehen werden und ich ihre gemeinsame Gruppenkompetenz professionell abchecken bzw. schulen lassen wollte; allerdings dauerte diese Gruppe nicht den ganzen Sommer über.

Aufgrund dieses allgemein niedrigeren Zeitaufwands hatten wir auch tatsächlich einige Ressourcen für diverse Altlasten. Zum Beispiel: fremdschlafen. Ohne Mami.

Selbst die kleine Fee mit ihren 3,6 Jahren ist dafür schon reichlich „alt“, aber der kleine Prinz mit bald 6 hatte eben bislang auch noch niemals irgendwo fremd geschlafen ohne mich. Geplant wäre es immer wieder gewesen, aber es gab immer wieder Gegenstrom von meinem Mann, und selbst war ich offenbar auch noch nicht zu 100% soweit. Auf keinen Fall wollte ich es der kleinen Fee vor dem kleinen Prinzen ermöglichen, da wäre ich dann vielleicht in die Bequemlichkeit gerutscht, es bei ihm gar nicht mehr anzugehen. Nun haben wir es endlich getan. Und es hat funktioniert! Alles, was es brauchte, war ein entsprechendes Kärtchen auf dem Wochenplan. Der kleine Prinz und die kleine Fee haben sofort verstanden, was geplant ist – ich habe sie einige Tage zuvor darauf vorbereitet – und es ist super gelaufen. Die Oma ist stolz, und die beiden sowieso. Es wird nun 1x pro Woche eine Nacht bei Omi geben.

Der nächste große Meilenstein war nicht extern gesteuert, dieser kam von innen, und ich kann gar noch gar nicht so recht in Worte fassen, wie es sich anfühlt. Der kleine Prinz kann nun offenbar mitteilen, dass er Schmerzen hat, und WO es ihm weh tut. Eltern neurotypischer Kinder können das wahrscheinlich überhaupt nicht nachvollziehen, aber für mich ist das so, als hätte ich auf einmal einen Lottosechser gelandet. Die vergangenen 5,9 Jahre hat mein kleiner Prinz in der Regel sein Unwohlsein, Schmerzen & Co. mit sich selbst ausgemacht. Er hat dabei bestimmt gelitten, einmal war ihm sogar das Trommelfell geplatzt bei einer Mittelohrentzündung, die ich NICHT ERKANNT habe, weil er überhaupt keine Anzeichen gezeigt hat. Nur, als er dann nicht einschlafen konnte und total unruhig war und immer wieder darum bat endlich einschlafen zu können, warf ich irgendwann einen Blick ins Ohr und sah, was da alles rausgekommen war. Und sofort ab zum Arzt. Seit einigen Tagen sagt er mir aber mit Worten und Gesten, dass es ihm weh tut und wo es ihm weh tut. Es ist wirklich ein Geschenk Gottes! Und ich bin unheimlich dankbar dafür! Übrigens sagt er nun auch immer häufiger „du“ zu mir. Bis dato war das immer nur „die Mami“. Ich glaube, in meiner kleinen Special Edition steckt viel mehr, als man von außen vermuten mag.

Auch der kleinen Fee möchte ich hier natürlich meine Gedanken widmen. Mein Mädchen ist mit ihren 3,6 Jahren eine Romantikerin, dass sich die Herzen winden. Als wir vor ein paar Tagen mit den Nachbarn gegrillt haben, war sie länger wach geblieben, denn sie hatte am Nachmittag sehr lange geschlafen. Dabei hat sie dann zum ersten Mal die Nacht erlebt. Sie sah mich an und meinte: Mami, ich bin so glücklich, wenn der Mond leuchtet und die Sterne glitzern. Da wurde mir ganz warm ums Herz…

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Interessante Entwicklungsschübe (5,5 und 3,2 Jahre)

Erwartungsgemäß war der Besuch der Tante aus Übersee zwar schön, aber auch mit einigem Aufwand verbunden. Es standen viele Ausflüge auf dem Programm, das Elternschlafzimmer wurde für die Dauer des Besuchs aufgelassen, damit die Tante auch einen Rückzugsort hatte, und die üblichen Kontakte mit Nachbarn, Familie, Freunden blieben für die Dauer eines Monats etwas auf der Strecke. Beide Kinder haben sich jedoch zum Glück sehr über die Abwechslung und die vielen spanischen Gesprächsgelegenheiten gefreut. Der kleine Prinz hat die Tante auf allen Unternehmungen unter Beschlag genommen und wollte ausschließlich an ihrer Hand laufen, die kleine Fee hat stundenlang mit ihr Reklame durchgeblättert und diskutiert, wem was besser gefällt. Schon nach nur einer Woche merkte man, dass vor allem die Sätze der kleinen Fee auf Spanisch sehr viel komplexer wurden. Sie spricht übrigens außergewöhnlich gut für ihre drei Jahre. Und das zeigt sie den gaaaanzen lieben langen Tag ;-).

Man merkt beim kleinen Prinzen, wie gut ihn Wiederholung, Vorhersehbares und Visualisierung in seiner sprachlichen Entwicklung unterstützen. Die ESDM-Spieleinheiten wurden mittlerweile bereits zum vierten Mal aktualisiert, und es zeigen sich wirklich sehr viele kleine Fortschritte in sämtlichen geförderten Bereichen: Imitation, Kommunikation, Grafomotorik, Sprache und auch kognitiv. Wie ich gestern feststellen musste, ist jedoch eine wirklich saftige Portion an Wiederholung nötig, damit etwas gut sitzt.

Mit dem Papa hat er ein besonders süßes Spiel entwickelt, und zwar bittet der Papa den kleinen Prinzen um ein Bussi auf die Wange und der kleine Prinz gibt ihm ein Bussi auf die Wange. Dann bittet der Papa ihn um ein Bussi auf das Kinn, und so weiter und so fort. Beide haben sichtlich Spaß daran, und der kleine Prinz fordert dieses Spiel auch sehr oft ein. Auf Deutsch kann er ebenso schon sehr viele Körperteile korrekt benennen, auch Handrücken und Schlüsselbein und dergleichen, denn als ich ihn damals mit 14 Monaten abstillte, brauchte ich ein neues Einschlafritual und habe begonnen, kleine Lieder zu erfinden mit seinen Körperteilen. Diese Lieder fordert er auch heute noch zum Einschlafen ein, und er bestimmt die Körperteile, die genannt (und beim Singen berührt) werden. Auch die kleine Fee mag diese Spielchen sehr gerne.

Außerdem beginnt die Interaktion zwischen den beiden Geschwistern intensiver zu werden. Zum einen schafft es der kleine Prinz immer öfter, seine Forderungen nicht nur verbal zu formulieren, sondern auch etwas Vehemenz an den Tag zu legen. Wenn sie auf seine Bitte ihn in Ruhe zu lassen nicht eingeht, dann wird er durchaus auch mal lauter anstatt gleich schubsen zu wollen. Eine tolle Entwicklung! Wenn es nach ihm ginge, dann könnte er das kleine Feengesicht übrigens den ganzen lieben langen Tag mit Bussis bedecken. Er bittet seine Schwester sogar, ihr ein Bussi auf die Wange oder auf den Hals geben zu dürfen. Sie mag leider häufig nicht, aber wenn es ihr dann doch mal in den Kram passt, dann freuen sich beide. Total süß.

Vor einigen Tagen in der Früh hat der kleine Prinz sogar seine Schwester gebeten, mal auf seinem Bauch zu prusten. Das fanden sie beide zum Totlachen. Ein weiteres Spiel, dass beide Kinder witzig finden: dem Opa (oder einer anderen Person) lustige WhatsApp-Sprachnachrichten zu schicken. Wir machen beispielsweise aus, dass sie sagen sollen: „Opa, wir haben dich lieb.“ und mitten in der Aufnahme ändert der kleine Prinz den Text auf „Opa, wir haben dich satiwoita.“ Dann lacht er und meint „Satiwoita heißt lieb“. Darüber konnte sich die kleine Fee zum Beispiel einen ganzen Abend lang zerkugeln. Gerade heute war eine ganz herzerwärmende Situation. Sie sind beide nebeneinander auf der Couch gelegen, kurz bevor wir losgefahren sind in den Kindergarten. Da sieht die kleine Fee den kleinen Prinzen an und sagt: mein wunderschöner Bruderschatz. Da hat er gegrinst, der kleine Prinz.


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ESDM mit UK

Der Workshop bei LifeTool – eine tolle Einführung in MetaTalk und Modelling in der UK – hat mir wieder eine Menge neuer Ideen geliefert, wie man UK facettenreich, unterhaltsam und individuell auf das Kind angepasst in den Alltag integrieren kann. Romana Malzer hat sehr viele tolle Materialien vorgestellt und sämtliche Fragen beseitigt, die ich bis zu diesem Zeitpunkt hinsichtlich MetaTalk hatte. Ich modele so gut es geht mit MetaTalk zu Hause, gleichzeitig führen wir ein Tagebuch mit Etiketten zum Kleben, den Wochenplan, und im Kindergarten sowie bei der Autismustherapie arbeiten wir mit dem Plauderbuch.

Auch in unsere ESDM-Einheiten bauen wir UK ein. ESDM ist eine spielerische Therapieform, bei der zuvor eine ausführliche Diagnostik gemacht wird, in welchen Entwicklungsbereichen das Kind noch Unterstützung benötigt, und in Folge darauf von der Therapeutin ein „Spielplan“ überlegt wird, den man regelmäßig auch zu Hause durchspielt. Ich muss gestehen, dass ich anfangs etwas skeptisch war, doch wir hatten nun bereits unsere erste Anpassung des Spielplans, und ich bin sehr überrascht von den vielen kleinen Fortschritten, die der kleine Prinz macht UND was am wichtigsten ist: wir haben alle Spaß daran. Die kleine Fee macht genauso gerne mit wie der Papa, und durch die vielen Wiederholungen und guter Strukturierung nach TEACCH prägen sich die Lerninhalte beim kleinen Prinzen super ein. Es wird immer auch auf viel Bewegung geachtet, und obwohl es auf den ersten Blick nicht so schien, lassen sich die Einheiten gut in unseren Alltag einbauen. Es kam auch schon vor, dass ich an einem Tag gesagt hätte, dass wir den Tag ohne ESDM-Einheit beenden und der kleine Prinz ausdrücklich darum gebeten hat. Ein gutes Zeichen, finde ich.

Gerade im sprachlichen Bereich merke ich hier sehr viel Potenzial. Der kleine Prinz spricht bei den Reimen mit, führt mit mir gemeinsam die von Sprüchen begleiteten Zeichnungen aus und singt weiter, wenn ich aufhöre. Es gibt immer ganz viele Situationen, in denen der kleine Prinz etwas aussuchen darf: perfekte Kommunikationsförderer. Und durch die Kombination mit Symbolen stelle ich sicher, dass wir uns auch wirklich „verstehen“. Es ist zwar ganz schön viel Arbeit, das alles auszuarbeiten, vorzubereiten und auch konsequent umzusetzen, aber es lohnt sich allemal.

In wenigen Tagen kommt die Tante aus Ecuador für ein paar Wochen zu Besuch. Ich bin gespannt, wie es wird ;-). Zum Glück sind schon nächste Woche Osterferien, da mahlen die Mühlen jedenfalls schon einmal naturgemäß etwas langsamer …

 


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Erste Erfolge mit UK (Unterstützter Kommunikation)

In den vergangenen beiden Monaten waren es einerseits der fünfte Geburtstag des kleinen Prinzen plus Premiere für eine Geburtstagsparty mit Kindergartenfreunden und ein relativ spontan beschlossener Aufenthalt in Ecuador, die mich zu einer nicht ganz freiwilligen Pause auf dem Blog genötigt haben. Aber naja, ein Tag hat eben nur 24 Stunden, und ein bisschen Schlaf muss sein. Bevor nun der Trubel mit dem dritten Geburtstag der kleinen Fee weitergeht, setze ich mich lieber gleich hin und haue in die Tasten.

Im Herbst hatten wir damit gestartet, verstärkt die UK in unseren Alltag einzubauen. Einen Wochenplan sowie ein Ich-Buch in GoTalkNow hatten wir schon seit längerem im Einsatz. Nachdem ich auf eine tolle Empfehlung hin „Einander verstehen lernen“ von Castañeda und Hallbauer gelesen hatte, wurde mir früh klar, welche Chance die visuelle Stütze bei der Kommunikation für den kleinen Prinzen darstellt. Dass es dennoch beinahe ein Jahr dauern sollte, bis mir der „Knopf“ richtig aufgeht, hatte ich selbst nicht erwartet.

Das Ich-Buch hatte ich relativ rasch nach dem Erhalt des iPads inklusive Kommunikationsapps (GoTalk Now, MetaCom) für den kleinen Prinzen angelegt. Es freute mich sehr, wie häufig er es von sich aus öffnete und sich die einzelnen Informationen anhörte. Schon wenige Zeit darauf merkte ich, dass er plötzlich Inhalte aus dem Ich-Buch in realen Kommunikationen anwenden konnte. Zum Beispiel zu antworten, wie er heißt oder wie alt er ist, wie seine Oma heißt, wie sein Papa mit Vornamen heißt. Jetzt, ein Jahr später, habe ich das Ich-Buch zum ersten Mal aktualisiert – und der kleine Prinz verwendet es wieder regelmäßig. Er sieht es sich zwar nur alleine an und zeigt es nicht einer zweiten Person, aber es bringt ihn ja trotzdem in seiner Kommunikation weiter.

Auch bei den Informationen auf dem Wochenplan stellten wir rasch fest, wie gut er die Bilder mit den Aktivitäten verknüpfen und sich merken kann, was noch geplant ist für den aktuellen Tag. Übrigens: nicht nur der kleine Prinz. Auch die kleine neurotypische Fee profitiert sehr von der Verwendung der visuellen Hilfen.

Nun haben wir im Herbst damit begonnen, den Plauderplan, der auf der Website der Metacom-Symbole angeboten wird, für die Kommunikation einzusetzen. Auch der Kindergarten hat sich bereit erklärt mitzumachen. Die Idee wurde mir von zwei Fachleuten in UK empfohlen, die sich an einem Vormittag extra für den kleinen Prinzen Zeit genommen hatten. Sie arbeiten an einer Wiener Sonderschule, den Termin haben wir dank dem Einsatz eines Bekannten bekommen. Nun modeln wir schon seit knapp zwei Monaten mit diesem Plauderplan – und siehe da! Der kleine Prinz hat ihn ebenfalls schon dafür verwendet, etwas zu erzählen! Die kleine Fee findet den Plauderplan genauso sehr spannend und bittet mich immer wieder mal, ihr damit was zu erzählen.

Zu Hause bin ich nach längerem „Mit-mir-selbst-hadern“ nun auch endlich soweit, MetaTalk begleitend zu verwenden, wenn ich mit den Kindern spreche. Die visuelle Schiene scheint dem kleinen Prinzen sehr gute Dinge beim Verständnis von Sprache zu leisten – und er soll jede Hilfe haben, die es gibt. Natürlich ist auch hier nicht der kleine Prinz der einzige, der davon profitiert. Der kleinen Fee macht das irrsinnigen Spaß! Sie spricht zwar ohnehin schon wahnsinnig gut für ihr Alter, aber ihr Vokabular erweitert sich dank der Symbole jetzt noch schneller.

Im nächsten Monat steht erneut ein Termin mit UK auf dem Termin – diesmal bei LifeTool in Linz. Ich bin sehr gespannt, was ich davon berichten kann!


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Unterstützte Kommunikation: Jetzt geht’s los.

Schon bald wird der kleine Prinz fünf Jahre alt, und – unter Berücksichtigung seiner autistischen Spezialausstattung – entwickelt er sich fabelhaft weiter. Natürlich dauert es bei der Fülle an Reizen und Informationen, die er im Vergleich zu neurotypischen Gleichaltrigen aufnimmt, für sein Gehirn einfach länger, die Dinge anzunehmen und umzusetzen. Das finde ich absolut verständlich. Es ist nicht tragisch, dass er in vielem noch mehr Unterstützung braucht als andere Kinder in seinem Alter. Damit die Schere zwischen ihm und seiner Peergroup aber nicht unnötig weit auseinandergeht, möchte ich ihm aber wirklich jedes Werkzeug an die Hand geben, das ihm das Leben erleichtert. Sehr lange lese und informiere ich mich schon über Unterstützte Kommunikation (UK) für Menschen mit autistischer Wahrnehmung. Mit nächstem Monat starten wir ganz aktiv damit durch – die Rahmenbedingungen sind geschaffen, und auch der Kindergarten ist an der Mitarbeit interessiert.

Stichwort: Visualisierung. Im Kern geht es darum, dem kleinen Prinzen zusätzlich zur normalen Verbalsprache möglichst viele visuelle Stützen zu bieten, damit er in erster Linie mit seinem Umfeld kommunizieren kann und er langfristig seine sprachlichen Fertigkeiten erweitert und festigt. Für diese Zwecke gibt es eine ganz wunderbare Symbolsammlung – Metacom. Wir verfügen über diese Symbole einerseits über die iPad-App MetaTalk sowie die CD-Sammlung Metacom zur Verwendung auf individuell ausgedruckten Kärtchen und dergleichen, und auch in einem ganz neu im Autismusverlag erschienenen Ringbuch „Zeig es, sag es“. Diese Symbole verwende ich nun auch zusammen mit eigenen Fotos für unseren Wochenplan, mit dem wir bereits seit ca. 2 Jahren arbeiten. Früher stellte ich darauf nur einen Tag dar, mittlerweile eine ganze Woche, um auch über Vergangenes und Zukünftiges sprechen zu können. Streng genommen ist dieser Wochenplan – den uns bei Diagnosestellung unsere tolle Ergotherapeutin bereits empfohlen hatte – sogar schon der allererste Schritt in Richtung UK gewesen. Für Sprachanbahnung mit Metacom-Symbolen gibt es auch ganz tolles Material auf metacom-symbole.de, mit dem ich nun loslegen werde. Der Fokus wird in unserem Setting vorerst auf Deutsch liegen, einige der guten Ideen möchte ich jedoch auch auf Spanisch anbieten.

Ebenfalls auf dem iPad installiert haben wir GoTalkNow. Seit knapp einem Jahr verfügen wir über diese technische Möglichkeit, und ich habe dem kleinen Prinzen bereits ein Ich-Buch angelegt, das er sehr gut angenommen hat. Auf der Online-Galerie in GoTalkNow habe ich auf Empfehlung bereits sehr tolle andere Möglichkeiten zum spielerischen Erlernen von Kommunikation entdeckt – so zum Beispiel ein lustiges Interaktionsspiel zum Thema Halloween oder ein interaktives Spielchen zum „Kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“. Nach spanischen Varianten muss ich entweder suchen, oder selbst welche basteln.

Jetzt heißt es vor allem so viel wie möglich „Modeln“ – also dem kleinen Prinzen Kommunikation mit Einsatz der visuellen Hilfestellungen möglichst natürlich vorleben. Oberstes Gebot sind wie immer: kleine Schritte und viel Geduld.

 


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Erst- und Zweitsprache

Mit ihren 2,5 Jahren ist die kleine Fee – neurotypische Schwester des kleinen Prinzen – eine richtige Quasselstrippe. Auf Deutsch (gut: auf Mostviertlerisch). Den ganzen lieben langen Tag redet sie, kommentiert alles, erzählt irrsinnig viel, kopiert Aussagen von mir, versteht zwar alles, was ihr der Papi auf Spanisch sagt, aber sie spricht auch mit ihm bzw. beim Skypen mit  Ecuador nur Deutsch. Wenn der Papi sie bittet, Spanisch zu sprechen, dann sagt sie immer wieder das Wort „español“, redet aber locker-lässig Deutsch weiter.

Der kleine Prinz hingegen – dessen Erstsprache anfangs vermutlich aufgrund meiner Vollzeit-Berufstätigkeit – Spanisch war, konnte schon immer perfekt zwischen Deutsch und Spanisch unterscheiden. Er hat mich noch nie auf Spanisch und den Papi nie auf Deutsch angesprochen. Auch die Skypeecuadorianer nicht. Und es scheint, als würde er sich für jeden Begriff gleich beide Sprachvarianten abspeichern. Seit die Kinder wieder den Hauptteil ihrer Zeit mit mir verbringen, merkt man auch beim kleinen Prinz trotz aller Sprachentwicklungsverzögerung, dass seine Erstsprache Deutsch ist.

Manchmal frage ich mich, ob die Zweisprachigkeit für die verzögerte Sprache des kleinen Prinzen mitverantwortlich sein könnte. Immerhin hat sein Gehirn durch seine autistische Wahrnehmung mit sehr viel Input zu tun, und dann noch zwei Sprachen …

In wenigen Wochen haben wir unseren ersten individuellen Beratungstermin für UK (Unterstützte Kommunikation) mit dem kleinen Prinzen. Ich erhoffe mir da für ihn eine ganz tolle Unterstützung dabei, sich mitteilen zu können und hoffe, dass auch das Umfeld (Kindergarten, Therapeutinnen) entsprechend mitzieht. Das gestaltet sich nämlich leider als unerwartet schwierig…


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Rückblick: erste Anzeichen für Autismus

Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, als sich bei mir schön langsam und schmerzhaft der Verdacht erhärtete, dass mein kleiner Prinz etwas anders war als andere Kinder. Viele Einzelsituationen tauchen vor meinem inneren Auge auf … Eigentlich hätte ich sie viel früher zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen können.

Autismus ist nicht das Ende der Welt, wirklich nicht, und ich habe heute gelernt, meinen tollen Sohn in seiner Andersartigkeit anzunehmen, ihn zu hundert Prozent dafür zu lieben, wie er eben ist. Aber der Weg hierher war kein leichter. Und es gibt nach wie vor Etappen, für die ich mich nie gerüstet sah. Und doch bin ich es. Weil ich es sein muss. Vielleicht sind meine Erfahrungsberichte für eine andere Mutter oder einen anderen Vater genau das, was ich einfach früher hätte lesen müssen, um eher zu erkennen, was „es da hat“. Dann hätte ich nämlich vieles schon viel früher begriffen und nicht mein kleines Kind unter Tränen der Verzweiflung gefragt, warum er denn nicht mit mir spricht …

Dieses eine Treffen in Innsbruck mit einer sehr geschätzten Kollegin aus Frankreich, als sie meinte, dass ich bestimmt mit meinem zweijährigen Kind schon Lieder singen könne, dass er doch gewiss einfache Melodien bereits mit mir singen würde. Als ich mir dachte, was ist mit ihr, sowas kann doch so ein kleines Kind noch nicht. Heute sehe ich der kleinen Fee zu, und ja, natürlich kann sie es, schon lange.

Oder mein Ausflug nach Wien, als ich mich mit einer Kollegin traf, deren ebenfalls zweisprachiger Sohn sogar zwei Monate jünger ist als der kleine Prinz. Sie beklagte, dass er gar nicht so auf sie fixiert sei, und ich dachte mir, ok, da ist meiner ja das komplette Gegenteil. Ihr Sohn war damals schon in einer Kindertagesstätte und sozial und sprachlich sehr viel expressiver als der kleine Prinz. Ich dachte mir nur, das wird dann mit dem Kindergarten kommen, doch der kleine Prinz zeigte wirklich gar kein Interesse an dem Buben, obwohl dieser eigentlich mit ihm spielen wollte. Die kleine Fee hingegen hatte schon immer großes Interesse an anderen Kindern und verbrachte bereits voriges Jahr viele Stunden ohne mich bei der Nachbarin, konnte sich bereits behaupten, hatte sich bereits als eigenständige Person erkannt.

Extrem eingeprägt hat sich bei mir dieser Moment, als ich meine Freundin – deren Sohn drei Monate älter ist als der kleine Prinz und ebenfalls zweisprachig aufwächst – völlig ohne konkrete Gedanken, Zweifel oder sonst was fragte, ob es bei ihrem Sohn denn auch noch so sei, dass er zwar schon viel Vokabular hat, aber noch nicht wirklich in Sätzen spricht. Ich war mir damals ganz sicher, dass es bei ihnen genauso ablaufen würde. Als sie mir dann mit diesem absolut unvergleichbar beneidenswerten Mutterstolz erzählte, dass ihr Sohn ungefähr ab dem zweiten Geburtstag auf einmal angefangen hatte loszuplappern, gab es mir ganz ehrlich einen Stich im Herzen. Ich sah mein Kind an und irgendwie wusste ich gar nicht, was ich fühlte. Ich war nicht enttäuscht oder so, nein, ich war verunsichert. Ich hatte Angst. Dieses komische Gefühl in mir begann aufzukeimen. Und es war gekommen um zu bleiben. Immer häufiger recherchierte ich über das für mich auffälligste Merkmal in unserem Fall: die Vertauschung von „ich“ und „du“. Immer häufiger las ich „Autismus“. Und irgendwann war mir dann klar, dass dieses Wort nicht mehr aus unserem Leben verschwinden würde.

Heute versuche ich so gut es geht, diese Ungewissheit, diese Angst vor der Zukunft auszublenden und mich in Zuversicht zu üben. Der kleine Prinz hat einen anderen Entwicklungsfahrplan, aber: er hat trotzdem einen Entwicklungsfahrplan. Erst heute beim Einschlafen hat er mir – sein aktuelles Lieblingsbuch in der Hand – einige Sätze aus dem Regenbogenfisch zur passenden Stelle auswendig vorgetragen. Dabei verstellt er die Stimme genauso wie ich, wenn ich den beiden vorlese, worüber auch die kleine Fee glückselig schmunzelt. Einfach zum Verlieben, diese Kinder.